Daj mě jadno jajko

Jürgen, Markus, Siegfried und Oliver

Vier ältere Männer in Winterjacken und Mützen stehen und sitzen in einer Küche, drei halten Blasinstrumente, einer eine Trommel, im Vordergrund ein gedeckter Tisch mit Flasche und Tellern

Jürgen, Markus, Siegfried und Oliver

Jürgen (v.l.), Markus, Siegfried und Oliver spielen von Januar bis März immer samstgas auf Fastnachten in der Region. (Foto: Andreas Batke)

Daj mě jadno jajko

Beim Zampern, der wendischen Fastnacht, geht es – begleitet von einer Blaskapelle – von Hof zu Hof durch das ganze Dorf. Die Hauseigner bieten Schnaps, Kaffee, Bier und Schnittchen zum Sofortverzehr an, Eier, Geld und Speck dagegen zum Mitnehmen für die Fastnachtsfeier und die Honorierung der Kapelle. DAS Fastnachtslied ist »Daj mě jadno jaiko«. Seinen Ursprung hat es wohl in der mittleren Lausitz um Rohne. Es fordert erst bescheiden ein Ei für den bevorstehenden Fastnachtsschmaus, um schon in der dritten Zeile »… daj mě lubjej dwe!« lieber gleich zwei Eier zu fordern. Der Text ist auf Niedersorbisch, Wendisch, was bis Mitte des letzten Jahrhunderts in der Lausitz oft ausschließlich gesprochen wurde. Die Combo um Jürgen spielt in unterschiedlicher Besetzung auf Fastnachten an allen Samstagen von Anfang Januar bis Mitte März in Dörfern der Landkreise Oder-Spree und Dahme-Spreewald. Heute dabei sind: Daniel an der Pauke, Jürgen am Saxophon, Markus an der Trompete und Siegfried am Tenorhorn. Die Kapelle ist den ganzen Tag – auch bei Wind und Wetter – unterwegs und hat am Ende stundenlang gespielt. Musiker mit gutem Spielvermögen, hoher Einsatzbereitschaft und breitem Repertoire sind mittlerweile selten. So ist für die Veranstalter nicht mehr das Geld ihr größtes Problem, sondern eine Kapelle zu finden. Diese bestimmen heute mit ihren Terminkalendern, welcher Ort wann zampern kann. Überzeugende Alternativen zu den Kapellen gibt es nicht. Eine Boombox mit Musik aus der Konserve bringt nicht die zampertypische Stimmung.

Ich finde, die Kapelle ist … SPITZE!

Niederlausitz

Schwarz-weiß Aufnahme einer Gruppe von Menschen vor einer alten Mauer, zwei spielen Blasinstrumente, andere singen und stehen an einem Stehtisch mit Getränken

Niederlausitz

Kartenansicht Beim Zapust, der wendischen Fastnacht, wird das traditionelle wendische Zamperlied »Gib mir ein Ei!« intoniert. (Foto: Andreas Batke)

Bumbass

Traditionelles Bumbass-Musikinstrument mit blauem Hals, Holzgriff und Metallteilen in geöffneter Verpackung

Bumbass

Tischbumbass – 1970er-Jahre, DDR, Fa. Goldon, Markneukirchen, Typ 3010, Karton-Aufschrift: »Besonders geeignet zum Kinderfasching und anderen Feierlichkeiten«, Holz/Metalle/Kunststoffe/ Schaumstoff/Leder, Sammlung: Museum Utopie und Alltag, Bestand Alltagskultur (Foto: Bernd Choritz)

Eier

Zwei übereinander gestapelte Eierkartons aus braunem Karton, der obere geöffnet mit weißen Eiern darin

Eier

Traditionell werden die Eier vom Hauseigentümern zum Mitnehmen für die Fastnachtsfeier und die Honorierung der Kapelle ausgegeben. (Foto: Bernd Choritz)