A12

Jörn Müller

Jörn Müller, Leiter der Feuerwehr Fürstenwalde

Jörn Müller

Jörn Müller, Leiter der Feuerwehr Fürstenwalde (Foto: Andreas Batke)

A12

Die Fürstenwalder Feuerwehr auf der »Autobahn der Freiheit«

Regelmäßig rückt die Feuerwehr zu »technischen Hilfeleistungen« aus, wenn Mensch und Fahrzeug insbesondere durch Auffahrunfälle zu Schaden kommen. Ist die A12 betroffen, gehen die Notrufe zuerst bei der Feuerwehr Fürstenwalde ein. Sie ist für den Abschnitt zwischen den Abfahrten Storkow und Briesen zuständig. Leiter Jörn Müller fordern diese wenigen Kilometer beständig heraus. Wenn seine Löschzüge mit Rettungsplattformen und Rettungsspreizern im Gepäck ausrücken, fragt er sich stets, ob es zu Schnellstraßen wie dieser keine Alternative gäbe. Denn die »Autobahn der Freiheit« gilt als Todespiste – weniger wegen ihres Verkehrsaufkommens als vielmehr angesichts der Übermacht an LKW, die unter Zeitdruck unterwegs sind, dabei lange Rückstaus verursachen oder durch waghalsige Überholmanöver auffallen. Zudem muss der Verkehr oft durch Baustellen geführt werden; das Risiko für Auffahrunfälle steigt dann trotz durchdachter Geschwindigkeitsbegrenzungen. Da heißt es an einem Strang zu ziehen und gemeinsam mit der zuständigen Autobahnmeisterei, der Autobahn-Polizei und dem Hubschrauber-Rettungsdienst eine Lösung zu finden. Wenn auf deutschen Autobahnen das Verkehrsaufkommen unbeherrschbar wird, darf die Feuerwehr nur die Folgen, nicht die Ursachen bekämpfen. Für eine Verkehrspolitik, die allein auf die Straße setzt, wird mittlerweile ein zu hoher Preis bezahlt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) übertreibt nicht, wenn er vom »Wahnsinn Güterverkehr« spricht.

Es heißt, an einem Strang zu ziehen.

Feuerlöscheimer

Feuerlöscheimer vermutlich aus dem 18. Jahrhundert

Feuerlöscheimer

Feuerlöscheimer, vermutlich 18. Jahrhundert (Foto: Armin Herrmann)

Rettungsspreizer

Hydraulischer Rettungsspreizer mit Motorpumpe

Rettungsspreizer

Hydraulischer Rettungsspreizer mit Motorpumpe, 2019 von der Feuerwehr Fürstenwalde ausgemustert (Foto: Armin Herrmann)

A12

Die Reichsautobahn-Tankstelle Fürstenwalde von Friedrich Tamms, eröffnet 1937

A12

Kartenansicht Die Reichsautobahn-Tankstelle Fürstenwalde von Friedrich Tamms, eröffnet 1937, ist seit 1996 denkmalgeschützt. (Foto: Andreas Batke)

Gasthauskultur

Margrit Simke-Schulz

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Margrit Simke-Schulz

Margrit Simke-Schulz, Wirtin in Herzberg (Foto: Andreas Batke)

Gasthauskultur

Landgasthof Simke in Herzberg

Gasthöfe sind Schauplatz von Wirtshausgeschichten. Manchmal ist es aber auch ganz still im Gasthaus. Und auch das erzählt eine Menge. Dies ruhige Bild beschreibt das Mädchen von damals, die heute Wirtin ist, als »typische Dorfgaststätte« in einem brandenburgischen Bauerndorf. Nur an manchen Abenden tagt der Herzberger Männerchor, der sich 1893 gründet. Männer im Frack nehmen ein Gruppenfoto auf, das heute in Simkes Gaststube hängt. Auch ein Posaunenchor, ein Landwehrverein, ein »Rauchkollegium« sind zu sehen. 1562 ist Promaß Noagk als erster »Krüger« vermerkt. Seit 1770 führt die Familie Lichterfeld die Schankwirtschaft. 1811 übernehmen Gottfried und Alma Simke. 1881 fällt das Gasthaus einem Großfeuer zum Opfer. 1946 bekommen Siegfried und Anneliese Simke das Lokal. 1958 wird Simke Konsumgaststätte. Eine völlig neue Form der dörflichen Gaststättenkultur entsteht, als 1961 die LPG kommt. Sie bringt den Feierabend. Es gibt feste Arbeitszeiten – und damit plötzlich auch Freizeit. Punkt 17 Uhr strömen die LPG-Bauern in den Schankraum. Die Losung »Kultur aufs Land« macht den Gastraum zum Kino. Und ab den späten 1960er-Jahren werden der Jugend Tanzveranstaltungen geboten. 1990 muss Margrit Simke fast aufgeben. Sie kratzt alle Ersparnisse zusammen, und statt den Betrieb herunterzufahren, baut sie aus. Nicht nur das macht das Gasthaus Simke besonders. In unserer Gegend, in der es Gasthöfe schwer haben, weil – wie Margrit Schulz meint – die Leute das Geld zusammenhalten und sich verkriechen, ist Simke eine unersetzliche Institution.

Nach allem, was ich als Wirtin beobachte, haben viele Leute die Nachwendejahre nicht verkraftet.

Gestielte Biertulpe

Gestielte Biertulpe mit dem Logo der DDR-Konsumgenossenschaft

Gestielte Biertulpe

Gestielte Biertulpe mit dem Logo der DDR-Konsumgenossenschaft, 1970er-Jahre (Foto: Armin Herrmann)

Vereinsfahne

Fahne des 1922 gegründeten Beeskower Arbeiter-Gesang-Vereins

Vereinsfahne

Fahne des 1922 gegründeten Beeskower Arbeiter-Gesang-Vereins (Foto: Armin Herrmann)

Bügelbierflaschen

Zwei Bügelbierflaschen mit Porzellanverschluss

Bügelbierflaschen

Zwei Bügelbierflaschen mit Porzellanverschluss (Foto: Armin Herrmann)

Gasthaus Simke

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Gasthaus Simke

Kartenansicht Gastraum im Landgasthof Simke (Foto: Andreas Batke)

Am Mittagstisch

Gerhard Kusay

Gerhard Kusay, langjähriger Chef der Kantine.

Gerhard Kusay

Gerhard Kusay, langjähriger Chef der Kantine (Foto: Andreas Batke)

Am Mittagstisch

Die Kantine des Spanplattenwerks Beeskow

Diese Kantine ist ein besonderer Ort. Er heißt eigentlich »Märkischer Hof«, für Ortsfremde ist er kaum zu finden. 99 Prozent aller Menschen, die ihn bevölkern, kennen diesen Ort jedoch schon sehr lange. Sie wissen, wo er liegt und was er bereithält. Gegen 12 Uhr mittags brummt das Ganze wie ein Bienenkorb. Das Erfolgsrezept klingt einfach. Eben so, als ob es in Hausmannskost zu günstigen Preisen bestünde. Aber es ist viel mehr. Früher gehörte die Kantine zum VEB Spanplattenwerk Beeskow. Stellt man sich das Werk wie einen Menschen mit vielen Armen vor, war die Werkskantine der Arm mit dem Kochlöffel. Es gab drei Essen: eins für 90 Pfennig, eins für 1,30 Mark und eine Suppe. Zum Nachtisch gab es Kompott, Pudding oder Rote Grütze – die war damals mit Grieß. Gerhard Kusay führt die Kantine. Er tut das bereits seit 1975, und er tut es mit Liebe zur Sache. »Es muss gut sein«, sagt er. Und es muss schmecken. Ein Wandbild an der Stirnseite des Speisesaals, gemalt von Gyula Szepes, zeigt das Landleben um Beeskow. Im Jahr 1986, als es aufgehängt wurde, erzählt Gerhard Kusay, hätten es die meisten Leute abgelehnt, doch heute mögen viele das Bild. Weil es noch da ist. Weil es zu ihnen gehört. Das Besondere an der Kantine ist, dass dieser Ort, nachdem so vieles aus der DDR verschwunden ist, noch besteht. Auf eine fröhliche, menschliche Art. Das farbenfroh anzügliche Bild, das gehaltvolle Essen. Die nette Belegschaft, die zum Teil schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Der freundliche Ton, die Zwanglosigkeit.

Es muss gut sein, und es muss schmecken!

Kugeltopf

Kugeltopf aus dem Mittelalter

Kugeltopf

Kugeltopf, sogenannte harte grau- oder blaugraue Ware, 13./14. Jahrhundert (Foto: Armin Herrmann)

Stapelbare Portionsteller

Stapelbare Portionsteller aus DDR-Produktion

Stapelbare Portionsteller

Stapelbare Portionsteller, DDR-Produktion, 1970er-Jahre (Foto: Armin Herrmann)

Name

Kantine des Spanplattenwerkes

Name

Kartenansicht Kantine des Spanplattenwerkes (Foto: Andreas Batke)