Und in der Pause einen »Kurzen«

Storkow

Luftbild Plukon, Storkow

Storkow

Kartenansicht Luftbild des früheren, heute zu Plukon gehörenden KIM Storkow. Bis zu 170.000 Hähnchen werden dort pro Tag geschlachtet. (Foto: Andreas Batke)

Und in der Pause einen »Kurzen«

»…und morgen kommen die Polinnen«

Ein dunkelblauer IFA W50 mit Hänger fährt durch Rieplos bei Storkow. Auf der Ladefläche stehen Drahtkäfige mit weißer Füllung; das Gespann blinkt rechts und fährt aus dem Bild. Die Kamera verharrt auf einem Schild am Abzweig, sodass wir lesen: »VEB« (Volkseigener Betrieb), darunter »KIM« (Kombinat für industrielle Mast). So beginnt der Dokumentarfilm »…und morgen kommen die Polinnen«. Gedreht wurde 1974 im Geflügelschlachthof Storkow. Die Kamera begleitete Arbeitswege, Versammlungen und Feste. Einer Frau kam sie dabei besonders nahe. Der Vorarbeiterin Christa Klingner. Als politisch gefestigte, redegewandte, alleinerziehende Frau mit einfacher Herkunft erfüllte sie wohl alle Wünsche der Filmautoren Gitta Nickel und Wolfgang Schwarze. Ihre Tochter Sylvia, im Film noch Abiturientin in Beeskow, war schon als Jugendliche Ferienarbeiterin im Betrieb der Eltern. Heidrun Ebel kommt 1972 zu KIM. Die Zusammenarbeit mit den Polen, überhaupt das Betriebsklima »der« KIM ist ihr in guter Erinnerung. Der regelmäßige Arbeitsplatzwechsel am Band, Gesang, Sprachunterricht in derbem Polnisch, heimliche »Kurze« in den Pausen im Toilettenvorraum machten das Schlachten erträglich und brachte die Menschen der Nachbarländer einander näher. Bärbel Kultus verantwortete bis 1999 die Personalpolitik am Standort. KIM Storkow schildert sie als DDR-Vorzeigebetrieb. Die Polinnen sollten helfen, Arbeitsplatzlücken in der Schlachtung zu füllen und dem Bruderstaat Erfahrung in industrieller Geflügelschlachtung für geplante Industrieanlagen zu verschaffen. Das Regierungsabkommen mit der VR Polen lief bis 1987.

Atme tief die Luft ist selten, heute geh’n die Schweine zelten.

»…und morgen kommen die Polinnen« – Szenenfoto von den Dreharbeiten

Szenenfoto der Dreharbeiten von »...und morgen kommen die Polinnen«

»…und morgen kommen die Polinnen« – Szenenfoto von den Dreharbeiten

Christa Klingner (l.) und Regisseurin Gitta Nickel beim Dreh des Films »…und morgen kommen die Polinnen« (1974) Foto: Nachlass Christa Klingner