»Jetzt könnt ihr heim ins Reich«

Frieda Hülsenitz

Schwarz-Weiß-Aufnahme einer älteren Frau im Rollstuhl in einer historischen Küche. Sie sitzt neben einem alten Kohleherd mit Kochgeschirr. Die Szene vermittelt einen authentischen Einblick in die Wohnkultur vergangener Jahrzehnte.

Frieda Hülsenitz

Frieda Hülsenitz in ihrem Haus in Kuhnshof (Foto: Andreas Batke)

»Jetzt könnt ihr heim ins Reich«

Erst Flucht, dann Vertreibung

Frieda Hülsenitz ist 1930 als Frieda Richter in Berloge im Kreis Crossen geboren, ein Gebiet, das bis 1945 zu Deutschland gehörte. Jetzt liegt es in Polen. Mit dem Vorrücken der Roten Armee flieht Familie Richter mit ihren fünf Kindern nach Wußwerk in den Spreewald. Als sie im Mai 1945 zurückkehrt, ist der Heimatort jedoch längst von Polen besetzt. Am 23. Juni 1945 werden alle Deutschen aus dem Dorf zur Neiße getrieben. »Jetzt könnt ihr heim ins Reich«, sagt der Soldat an der Grenze zur 15-jährigen Frieda. Irgendwann kommt die Familie in Friedland an. Ein offener Empfang bleibt ihr jedoch verwehrt. Als Flüchtlinge werden sie auch mit Argwohn betrachtet. Sarkow und Glowe bilden mit Kuhnshof die drei Gutshöfe, in denen die gesamte Berloger Dorfgemeinschaft untergebracht wird. Es erfolgt eine Aufteilung enteigneter Ländereien und Felder. Kuhnshof, wo die Richters landen, sieht man dabei als eher schlechte Zuteilung an. Wachsen kann dort nicht viel, das Essen bleibt knapp. »Ich weiß nicht, wie wir überleben konnten.« Die Schwestern Anita und Frieda müssen betteln, um für die kleinere Regina etwas Milch zu ergattern. Die Steckrüben werden bei den Bauern gestohlen. Kuhnshof ist ein Beispiel für die Bevölkerungsverschiebung, die unter Historikern heute als die größte Zwangsumsiedlung der Menschheitsgeschichte beschrieben wird. Die Zahl der vertriebenen und geflüchteten Deutschen aus den deutschen Ostgebieten nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird auf zwölf bis 14 Millionen geschätzt.

Ich weiß nicht, wie wir überleben konnten.

Kuhnshof

Drei ältere Damen posieren lächelnd vor einem alten Gutshaus. Eine der Frauen sitzt in einem Rollstuhl, während die anderen beiden neben ihr stehen.

Kuhnshof

Kartenansicht Helga Döbis (v.l.), Gisela Pelz und Frieda Hülsenitz vor dem ehemaligen Gutshaus in Kuhnshof (Foto: Andreas Batke)

Barłogi

Schwarz-Weiß-Aufnahme einer ländlichen Straße mit tiefen Rissen im Asphalt, die in ein Dorf führt. Am rechten Straßenrand steht ein Ortseingangsschild mit der Aufschrift Bartogi, umgeben von Bäumen und einer ländlichen Bebauung im Hintergrund.

Barłogi

Kartenansicht In Barłogi ist Frieda Hülsenitz 1930 geboren, damals hieß es noch Berloge. (Foto: Andreas Batke)

Hochzeitsgesellschaft in Kuhnshof

Schwarz-Weiß-Fotografie einer Hochzeitsgesellschaft vor einem Gebäude. Das Brautpaar steht in der Mitte, umgeben von zahlreichen Gästen in festlicher Kleidung. Das Bild dokumentiert eine historische Familienfeier.

Hochzeitsgesellschaft in Kuhnshof

Hochzeitsfoto von Helga Döbis vor dem Gutshaus in Kuhnshof