Zu Hause in der Sargtischlerei

Maria Sibylla Ponizil und Johanna Görke-Cassirer

Schwarz-Weiß-Porträt zweier Frauen in einem hellen Atelier. Eine Frau lehnt an einer langen Holzleiter, die andere steht daneben an einem Arbeitstisch. Im Hintergrund sind Fenster mit hellem Tageslicht und ein Holzstuhl zu sehen.

Maria Sibylla Ponizil und Johanna Görke-Cassirer

Von Ost nach West und wieder zurück: Marie Sibylla Ponizil (l.) und Johanna Görke-Cassirer (Foto: Andreas Batke)

Zu Hause in der Sargtischlerei

Großzügige Arbeitsräume für eine Künstlerin

Johanna Görke-Cassirer studierte von 1961 bis 1966 in Berlin-Weißensee und konnte sich danach schnell im Kunstbetrieb etablieren. In Woltersdorf bei Berlin fand die Malerin und Grafikerin eine Möbel- und Sargtischlerei, die verkauft werden sollte. Furchtlos übernahm sie das Grundstück, das ihr großzügige Arbeitsräume bot. Ende der 1970er-Jahre lernte Johanna Görke-Cassirer Maria Sibylla Ponizil kennen, die gerade ihr Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst abgeschlossen hatte. 1982 wurde die junge Künstlerin eingeladen, sich an dem Projekt »Prometheus 82« zu beteiligen. Weil sie sich vor allem mit gescheiterten Visionen auseinandersetzten, wurden Mappe und Ausstellungen jedoch sofort eingezogen und untersagt. Maria Sibylla Ponizil hatte anschließend mit Ausstellungsverboten und Zurücksetzungen zu kämpfen. Zur gleichen Zeit geriet ihre Partnerin ins Visier der Staatssicherheit, weil sie Rainer Eppelmanns und Robert Havemanns »Berliner Appell: Frieden schaffen ohne Waffen« an Bekannte weitergegeben hatte. Landesverrat wurde ihr vorgeworfen und man gab ihr zu verstehen, »wenn ich in den Westen gehen wollte, würden sie mir keine Steine in den Weg legen«. Also packten die beiden Künstlerinnen 1984 ihre Sachen und verließen Woltersdorf. Sie landeten in Blomberg bei Detmold, konnten arbeiten, genossen es, quer durch Europa zu reisen. Als sie wenige Jahre nach dem Mauerfall ihre Unterkunft wechseln müssen, stellt sich jedoch die Frage, bleiben oder gehen? »Wir haben in Woltersdorf eine Perspektive für uns gesehen«, sagt Maria Sibylla Ponizil.

Wir haben in Woltersdorf eine Perspektive für uns gesehen.

Woltersdorf

Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Hauses in Woltersdorf mit Arkadengängen, gepflastertem Innenhof, einer hohen Konifere und einer Kletterpflanze an der hellen Fassade.

Woltersdorf

Kartenansicht 1984 mussten die Künstlerinnen ihr Haus in Woltersdorf verlassen – nach der Wende kehrten sie zurück. (Foto: Andras Batke)

Woltersdorf

Draufsicht auf einen Zeichentisch mit zahlreichen Skizzen von Pinguinen und menschlichen Figuren, dazwischen liegen Stifte, eine Schere und das Buch 'Auf Du und Du mit dem Kakadu' von Josi Canari.

Woltersdorf

Kartenansicht Skizzenblätter im Atelier der Woltersdorfer Künstlerinnen Maria Sibylla Ponizil und Johanna Görke-Cassirer (Foto: Andreas Batke)

Schallplatte von Wolf Biermann

Das historische Schallplattencover von Wolf Biermanns Album 'Warte nicht auf beßre Zeiten' mit Fotos des Künstlers, einer Innenansicht und der dazugehörigen schwarzen Vinyl-Schallplatte als Exponat aus der Sammlung des Museums Oder-Spree.

Schallplatte von Wolf Biermann

Langspielplatte »Wolf Biermann. Warte nicht auf beßre Zeiten« (Foto: René Arnold)

Packdecke

Gefaltetes, strukturiertes Gewebe in neutralen Farbtönen mit bunten Einsprengseln.

Packdecke

Textil-Packdecke aus der DDR von Maria Sibylla Ponizil (Foto: René Arnold)