»Wir arbeiten immer«

Ngoc Thuan Ho

Ein Koch in schwarzer Arbeitskleidung sitzt vor einem großen, gerahmten Wandbild mit Koi-Karpfen-Motiv. Neben ihm steht ein kleiner, kunstvoll verzierter Schrein. Die Szene ist in Schwarz-Weiß gehalten und vermittelt eine ruhige Atmosphäre.

Ngoc Thuan Ho

Eine Pause macht Ngoc Thuan Ho nur, wenn der Fotograf kommt. (Foto: Andreas Batke)

»Wir arbeiten immer«

Nur sonntags bleibt der Imbiss zu

Ngoc Thuan Ho arbeitet 12 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Nur sonntags bleibt sein Imbiss »Mr. Ho« in einer Frankfurter Einkaufspassage geschlossen. »Wir arbeiten immer« – so begründet er, warum Vietnamesen seiner Meinung nach in Deutschland weniger Probleme mit Ausländerfeindlichkeit hätten als andere Migranten. Im September 1988 verlässt Ho seine Heimat, in der rund die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt. Anders als für viele seiner Landsleute, die sich über einen Arbeitsaufenthalt in der DDR finanzielle Hilfe für ihre Familien in der Heimat erhoffen, ist es bei Thuan Ho jedoch eher Abenteuerlust, die ihn in die Ferne treibt. Grundlage ist der am 11. April 1980 geschlossene Vertrag beider Länder, der die Entsendung von vietnamesischen Arbeitskräften in das sozialistische Bruderland regelt. Die Vietnamesen bilden bis 1989 die größte Gruppe solcher Vertragsarbeiter: Zuletzt beträgt ihre Zahl etwa 60.000. Thuan Ho wird dem Volkseigenen Betrieb (VEB) Leuna-Werke »Walter Ulbricht« südlich von Halle zugeteilt und beginnt an der Berufsschule in Leuna eine Schlosserlehre. Dann fällt die Mauer. Trotz Verbotes fährt er nach Ost-Berlin, stellt einen Asylantrag, landet schließlich im Westerwald, wo er schnell einen Job findet. Der Einigungsvertrag billigt allen ehemaligen Vertragsarbeitern lediglich ein Bleiberecht für die ursprünglich mit der DDR geschlossene Vertragszeit zu. Erst 1997 werden sie den Arbeitsmigranten der BRD gleichgestellt. Thuan Ho wird im Jahr 2000 eingebürgert. Als ein Kollege in Frankfurt (Oder) seinen Imbiss aufgibt, ziehen er und seine Frau aus Dresden nach Brandenburg. Und bleiben.

Natürlich wurden wir auch in der DDR schief angeguckt.

Frankfurt (Oder)

Schwarz-Weiß-Aufnahme aus der Küche eines asiatischen Restaurants. Im Vordergrund eine Frau in einem gestreiften Oberteil bei der Arbeit, im Hintergrund bereitet ein Koch Speisen zu, während zwei weitere Personen in der Küche stehen.

Frankfurt (Oder)

Kartenansicht Trägt seinen Chef im Namen – Blick in den Frankfurter Imbiss »Mr. Ho« (Foto: Andreas Batke)

Hos Ausweispapiere

Historische Dokumente aus der DDR-Zeit: Ein vietnamesischer Schülerausweis, ein Visum und eine Aufenthaltsgenehmigung für die Deutsche Demokratische Republik, ausgestellt auf den Namen Ngoc Thuan, mit Stempeln und Passfotos versehen.

Hos Ausweispapiere

Hos Ausweispapiere aus der Zeit, als er in die DDR gekommen ist. (Foto: Andreas Batke)

Hausaltar

Ein traditioneller asiatischer Hausaltar aus dunkelrotem Holz mit zwei goldenen Figuren, einer zentralen blau-weißen Räuchergefäßschale und fünf kleinen passenden Teeschalen auf einem weißen Tablett vor einem kunstvoll verzierten Hintergrund.

Hausaltar

vietnamesischer Hausaltar von Ngoc Thuan Ho (Foto: René Arnold)

Arbeitsanzüge

Zwei Sets aus dunkelblauer Arbeitskleidung, bestehend aus jeweils einer Jacke und einer Hose, ordentlich zusammengelegt auf einem weißen Hintergrund. Die historischen Kleidungsstücke zeugen von der Arbeitswelt vergangener Jahrzehnte.

Arbeitsanzüge

Arbeitsanzüge »Made in Vietnam« (Foto: René Arnold)