Tradition an der Spree

Mario Müller

Mario Müller in seiner Werkstatt in Werder (Foto: Andreas Batke)

Mario Müller

Mario Müller in seiner Werkstatt in Werder (Foto: Andreas Batke)

Tradition an der Spree

Am Südrand des Landkreises Oder-Spree liegt das kleine, rund 90 Einwohner zählende Dorf Werder/Spree. Der namensgebende Fluss hat hier gerade den Unterspreewald hinter sich gebracht und schlängelt sich durch eine teils unberührte Wiesenlandschaft. Die Spree spielte in den vergangenen Jahrhunderten für Transporte im direkten Umfeld eine deutlich größere Rolle als heute. Menschen, Rohstoffe und Waren wurden auf dem Wasser geholt und gebracht. Mit Holzkähnen, besser bekannt als Spreewaldkähne, waren etwa Bauern regelmäßig unterwegs. Zum Fischen brauchten sie wiederum andere, kleinere Boote – sogenannte Schweffkähne. In Werder/Spree werden noch immer unterschiedliche Kähne gebaut. Der Tischler Mario Müller, ein echter »Werderaner«, Ortsvorsteher und heute 56 Jahre alt, führt dort das Handwerk seines Großvaters Paul Müller fort. Von Anfang an war dabei klar, dass es sich nur um eines von vielen Geschäftsfeldern handeln konnte. Denn die Bedeutung der Spreewaldkähne – vor allem aus Holz – ist über die Jahre stetig gesunken. Müller baut ausschließlich sogenannte Längsbohlenkähne in traditioneller Weise wie vor 150 Jahren. Drei lange Bohlen für den Boden und zwei an jeder der bis zu 30 Zentimeter hohen Seiten verbindet er miteinander. Die Bohlen bestehen meist aus Kiefernholz. Über Feuer und Wasserdampf biegt Mario Müller die Bohlen so, dass sie eine stromlinienähnliche Form bekommen und fügt sie später mit gebogenen Nägeln zusammen. Versenkt im Boden, bleiben sie unsichtbar. Rund zehn Arbeitstage dauert der Prozess. Je nach zusätzlichen Aufbauten liegen die Preise bei mehr als 5.000 Euro.

Mit dem Holzkahnbau ist heute kaum noch Geld zu verdienen.

Werder/Spree

Die Spreeaue mit Altarmstümpfen bei Werder/Spree (Foto: Andreas Batke)

Werder/Spree

Kartenansicht Die Spreeaue mit Altarmstümpfen bei Werder/Spree (Foto: Andreas Batke)

Werder/Spree

Aus Eschenholz gefertigtes »Rudel«, eine ca. vier Meter lange Stange, mit der die Spreewaldkähne »gestakt« werden (Foto: Andreas Batke)

Werder/Spree

Kartenansicht Aus Eschenholz gefertigtes »Rudel«, eine ca. vier Meter lange Stange, mit der die Spreewaldkähne »gestakt« werden (Foto: Andreas Batke)

Modell eines Längsbohlenkahns (Bug)

2025, Eigenbau, Kiefernholz, Leihgeber: Mario Müller, Gemeinde Tauche, Ortsteil Werder (Spree) (Foto: Bernd Choritz)

Modell eines Längsbohlenkahns (Bug)

2025, Eigenbau, Kiefernholz, Leihgeber: Mario Müller, Gemeinde Tauche, Ortsteil Werder (Spree) (Foto: Bernd Choritz)

Einbaum

Alter unbekannt, gefunden bei Königs Wusterhausen, Kiefer, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Einbaum

Alter unbekannt, gefunden bei Königs Wusterhausen, Kiefer, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Spitzen zweier Rudel (Spezialruder), alt und neu

Alt: um 1900, Herkunft unbekannt, Eisenblech, stark korrodiert, neu: 2024, Eisenblech (Motiv Schlangenkönig), Leihgeber: Mario Müller, Gemeinde Tauche, OT Werder (Spree) (Foto: Bernd Choritz)

Spitzen zweier Rudel (Spezialruder), alt und neu

Alt: um 1900, Herkunft unbekannt, Eisenblech, stark korrodiert, neu: 2024, Eisenblech (Motiv Schlangenkönig), Leihgeber: Mario Müller, Gemeinde Tauche, OT Werder (Spree) (Foto: Bernd Choritz)