Ab ins Glas!

Unverpackt

Eier im Laden »Naturlieb unverpackt«

Unverpackt

Kartenansicht Eier im Laden »Naturlieb unverpackt« in Bad Saarow (Foto: Andreas Batke)

Ab ins Glas!

Im Juli 2021 hat Annett Giese ihren kleinen Laden in der Pieskower Straße in Bad Saarow eröffnet. Zuvor arbeitete sie viele Jahre in einem Fürstenwalder Baumarkt, als Leiterin des Gartencenters. Gesundheit, Nachhaltigkeit, Umweltschutz – diese Themen beschäftigen die 42-Jährige schon länger. Dann kam Corona – und in ihr wuchs der Wunsch, sich zu verändern. »Ein Bioladen – das wäre schön! Aber dann auch gleich unverpackt.« 18,9 Millionen Tonnen an Verpackungsabfällen sind laut Umwelt-Bundesamt in Deutschland im Jahr 2018 angefallen. Im Jahr 1991 waren es noch 15,6 Millionen. Unverpacktläden wie der von Annett Giese wollen dem etwas entgegensetzen: Statt ihre Waren eingeschweißt und in normierter Abfüllung einzukaufen, können Kundinnen und Kunden sie dort selbst »verpacken« – und zwar genau so viel, wie sie tatsächlich benötigen. Während Annett Giese Lebensmittel wie Mehl, Nudeln, Reis und ähnliches bei entsprechenden Großanbietern bestellt, kauft sie anderes direkt und möglichst vor der Haustür ein: Obst und Gemüse in Hangelsberg, Kartoffeln in Alt Golm, Milch in Buchholz, Kaffee in der Rösterei in Bad Saarow, Eier in Briesen, die Beet-, Gemüse- und Staudenpflanzen, die sie nebenbei noch vor dem Laden anbietet, in Neuendorf. »Für mich ist das ein wichtiger Aspekt, dass ich auch einer vierköpfigen Familie die Chance geben möchte, gesund einzukaufen«, sagt sie und beharrt darauf: »Bio muss nicht teuer sein.« Beim Thema Müll ist die Sache für sie ganz klar: »Wir müssen irgendetwas machen, sonst sind wir die Generation, die den Stempel hat, sich nicht um die Lebensbedingungen der nachfolgenden gekümmert zu haben.«

Bio muss nicht teuer sein.

Der Herr der Teiche

Der Herr der Teiche

Den Appetit auf Fisch hat Thomas Müller nicht verloren. »Ich esse gerne Seefisch, aber auch Hecht und Zander«, sagt er, »und Weihnachten und Ostern mindestens einmal Karpfen in Biersoße.« Die Genossenschaft Schlaubefisch, die der 62-Jährige seit der Wende leitet, bewirtschaftet im Landkreis Oder-Spree die beiden Pohlitzer Seen und den Stillen Treppelsee, dazu kommen die Teiche in Bremsdorf und in Friedland. Zählt man auch die Standorte in Frankfurt (Oder) und dem Landkreis Märkisch-Oderland dazu, sind die fünf Mitarbeiter der Genossenschaft mit Sitz in Falkenhagen auf 32 Teichen und 15 Seen unterwegs, dazu noch auf der Oder. »In der Karpfenteichwirtschaft haben wir einen Vollbetrieb, das heißt einsömmrige, zweisömmrige und dreisömmrige sind dabei. Die dreisömmrigen sind dann die Speisekarpfen«, erklärt Müller. Die ein- und zweisömmrigen Satzfische gibt die Schlaubefisch e.G. an andere Betriebe oder Anglervereine ab, der Speisekarpfen, von dem die fünf Fischer etwa 50 bis 70 Tonnen ernten, »geht in alle Welt«. Allerdings werden jährlich fünf Tonnen davon in den Verkaufsstellen der Genossenschaft direkt vermarktet. Eine Zukunft für seinen Betrieb sieht Müller dennoch nicht, wenn er am 1. Januar 2025 in Rente geht. »Das will keiner machen. Die jungen Leute sagen zwar, ach, das ist ein schöner Beruf, Fischer möchte ich werden. Die sehen uns ja nur im Sommer auf dem Boot. Die müssen aber auch mal im November dabei sein, wenn wir die Teiche ablassen und da zehn Tonnen Karpfen bei strömendem Regen und null Grad rausholen und möglichst noch ein scharfer Wind dazu.«

Das will keiner machen

Von Hummus bis Kibbeh

Mahmoud Sharfo

Mahmoud Sharfo in seinem syrischen Imbiss in Beeskow

Mahmoud Sharfo

In seiner Heimat war Mahmoud Sharfo Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei – in Beeskow betreibt er jetzt einen syrischen Imbiss. (Foto: Andreas Batke)

Von Hummus bis Kibbeh

Schon von Weitem fällt der grün-gelbe Imbiss von Mahmoud Sharfo auf – eine orientalisch-kulinarische Insel am Beeskower Bahnhof. Noch vor ein paar Jahren war dort nur Brachland. Nun steht hier ein syrisches Schnellrestaurant mit einer Terrasse samt Wasserspiel und einer Spielecke für Kinder. Sharfo ist es wichtig, dass seine Gäste sich wohlfühlen und gerne Zeit bei ihm verbringen. Das inspirierte ihn auch zu dem Namen »Meet & Eat«, auf Deutsch »treffen und essen«. Mahmoud Sharfo war nicht immer Imbissbetreiber. In Syrien arbeitete er 20 Jahre lang als Rechtsanwalt und besaß eine eigene Kanzlei. Bis 2011 der Krieg ausbrach und die zehnköpfige Familie flüchten musste. In Deutschland wurde Sharfos Jurastudium nicht anerkannt. »Gerne gekocht und gegessen habe ich schon immer. Dann dachte ich, warum kann ich nicht syrisches Essen nach Deutschland bringen?« Am 8. Juni 2019, nach einer zweijährigen Vorbereitungszeit, eröffnete Mahmoud Sharfo Beeskows ersten syrischen Imbiss. Der größte Unterschied zwischen der deutschen und der syrischen Küche sind die Zutaten. In Syrien verwendet man zum Beispiel Sesam, Minze, Kichererbsen, Weinblätter und Aubergine. Daraus kocht man traditionelle Gerichte wie Hummus, pürierte Kichererbsen mit Olivenöl, oder Kibbeh, frittierte Klöße aus Hartweizen, Hackfleisch und Zwiebeln. Besonders wichtig ist es Sharfo, dass die Menschen beim Essen gemeinsam Zeit verbringen und sich austauschen. Das ist seine Vorstellung von gelungener Integration, und zu diesem Dialog will er ein Stück weit beitragen.

Beeskow

Der syrische Imbiss von Mahmoud Sharfo

Beeskow

Kartenansicht Für Mahmoud Sharfo ist sein Imbiss auch ein Treffpunkt der Kulturen. Aufgebaut und gestaltet hat er ihn mit Unterstützung seiner Familie. (Foto: Andreas Batke)

Falafel-Portioniere und Streichlöffel

Falafel-Portioniere und Streichlöffel

Falafel-Portioniere und Streichlöffel

Falafel-Portioniere und Streichlöffel, 21. Jh. (Foto: Armin Herrmann)

Klemmeisen

Klemmeisen

Klemmeisen

Klemmeisen, 19. Jh. (Foto: Armin Herrmann)

Mahlows im Glück

Wellmitz

Enten auf einer Wiese

Wellmitz

Kartenansicht »Bei uns kommt kein Vieh ins Haus!«, glaubte Hildegard Mahlow anfangs noch. Doch es kam anders. (Foto: Andreas Batke)

Mahlows im Glück

Was braucht man zum Glücklichsein? Eine Tätigkeit, die Freude bereitet. Das mehr als 80 Jahre alte Bauernehepaar Mahlow aus Wellmitz ist dankbar für sein Leben und für das, was es geschaffen hat. Lothar Mahlow wollte Fleischer werden. Leider durfte er nicht auslernen, da der Vater Hilfe in der eigenen Wirtschaft brauchte. Nebenher arbeitete er dann als Schichtfahrer in der Landwirtschaft. Hildegard Mahlow wiederum wollte schon immer etwas mit Zahlen machen, deshalb hat sie bei der Sparkasse gelernt und sogar eine eigene Filiale in Wellmitz aufgebaut. Aber wie kommt man von der Sparkasse aufs Feld? Angefangen hat es mit einer Henne, dann kam das erste Kaninchen, und schnell wurden es mehr. Später folgten Schweine und Rinder. Lothar Mahlow meint verschmitzt, die Leberwurst und der Schinken seien zu DDR-Zeiten die beste Tauschware gewesen, die man sich habe vorstellen können. »Wir bauten auch viel Gemüse an. Blumenkohl, Gurken, Porree. Laut Absprache holte die GHG (Großhandelsgesellschaft) Eisenhüttenstadt alles von uns zu Hause ab. Abgerechnet wurde später.« Mit dem Gemüse, sagt Hildegard Mahlow, habe sie mehr verdient als in der Sparkasse. Nach der Wende wurden überall Leute entlassen, und Lothar Mahlow musste 1992 mit 54 Jahren in den Vorruhestand gehen. Aber an ein Rentnerdasein war nicht zu denken. »Wir versuchten, aus dieser Zeit das Beste zu machen und bauten unseren Landwirtschaftsbetrieb weiter aus«, erzählt Hildegard Mahlow. »Wir waren im Kreis Eisenhüttenstadt der erste Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb.« 2010 übernahm Sohn Roland den Betrieb im Nebenerwerb. »Aber wir bewirtschaften noch weiter unsere Gemüseflächen.«

Wir waren im Kreis Eisenhüttenstadt der erste Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb.

Botschafter für alte Sorten

Arne Ihm

Der gelernte Gärtner Arne Ihm sitzt unter einem Baum im Garten des Vereins LandKunstLeben

Arne Ihm

Der gelernte Gärtner Arne Ihm ist seit Anfang an als Ehrenamtler beim Verein LandKunstLeben dabei. (Foto: Andreas Batke)

Botschafter für alte Sorten

Wenn Arne Ihm eine Runde durch den Garten des Vereins LandKunstLeben in Steinhöfel dreht, kann das schon mal eine Weile dauern, denn es gibt viel zu sehen auf dem zwei Hektar großen Areal am Ortsausgang Richtung Fürstenwalde: weiße Tomaten, gelbe Paprika, Melonen, verschiedene Kürbisse, essbare Blüten, Kräuter mit exotisch klingenden Namen und alte Apfelsorten. Das Besondere: In diesem ökologisch bewirtschafteten Garten werden nur samenfeste, teilweise längst vergessene Sorten angebaut. Bei Führungen, Festen und Kochkursen zeigt Ihm den Besucherinnen und Besuchern nicht nur den Garten – sondern auch, welches Geschmackserlebnis frisch zubereitete Gerichte aus traditionellen Gemüsesorten bieten. »Ich versuche, mit meiner lockeren Art Begeisterung für besondere Gartenpflanzen und Wertschätzung für gutes Essen zu wecken«, sagt er. Bei der Bestellung der Beete hat er aktuell Hilfe von drei Frauen, sogenannten Ein-Euro-Jobberinnen, und drei bis vier jungen Menschen aus Georgien, der Türkei und Russland, die einen europäischen Freiwilligendienst in Steinhöfel absolvieren. Kunst und Gartenkultur, Stadt und Land zusammenbringen – das ist das Anliegen des 2001 gegründeten Vereins LandKunstLeben. Mithilfe von Fördergeld erfolgte 2003 die Anlage des Gartens. Ein Domizil für ihr Projekt fanden die Vereinsmitglieder auf dem Gelände einer Gärtnerei, angrenzend an den Steinhöfeler Schlosspark. Mit Kunstaktionen, Festen und Kochkursen im Garten hat sich LandKunstLeben in Berlin, Brandenburg und darüber hinaus einen Namen gemacht.

Erhalten durch Aufessen, das ist mein Ansatz.

LandKunstLeben Steinhöfel

Mitarbeitende des Vereins LandKunstLeben

LandKunstLeben Steinhöfel

Kartenansicht Viele der Helferinnen und Helfer im Garten wissen anfangs nur wenig über Gartenbau. Das jedoch ändert sich schnell. (Foto: Andreas Batke)

Gartenschere

Gartenschere

Gartenschere

Gartenschere (Foto: Armin Herrmann)

Rollbild »Rosengewächse« (Süßkirsche)

Rollbild »Rosengewächse« (Süßkirsche)

Rollbild »Rosengewächse« (Süßkirsche)

Rollbild »Rosengewächse« (Süßkirsche), 1970er Jahre (Foto: Armin Herrmann)

Auf dem Hof der Vorfahren

Beeskow

Bioladen von Klaus Mruk

Beeskow

Kartenansicht 2016 ist Klaus Mruk mit seinem Laden an den Beeskower Marktplatz gezogen (Foto: Andreas Batke)

Auf dem Hof der Vorfahren

Unter den weit ausladenden Ästen des mehr als 100 Jahre alten Nussbaums, gleich hinter der Scheune, sitzt Klaus Mruk am liebsten. Der Baum war schon da, als er am 21. März 1953 geboren wurde. »Ich bin mit diesem Baum groß geworden, meine zwei Schwestern und ich haben darunter gespielt oder sind drauf rumgeklettert.« Viele Jahre später, als Mruk seinen Bio-Laden in Beeskow eröffnete, bot er dort auch Walnüsse aus Groß Muckrow an. »Zu Bauer Klaus« heißt das Geschäft. Seit 15 Jahren verkauft Mruk dort Lebensmittel aus Bio-Produktion und hat damit in der ländlichen Region eine Tür für bewusstes Anbauen, Einkaufen und Essen aufgestoßen. Aus dem eigenen Anbau werden allerdings nur noch die beliebte Tomatensorte »Rutje«, Paprika sowie Pflaumen und Äpfel, die an Mruks Bäumen wachsen, angeboten. Um ein Vollsortiment zu bieten, muss von anderen Anbietern dazu geordert werden. Mit dem Laden hat Mruk sich einen Traum erfüllt. Zwar böten die Supermärkte inzwischen auch Bio-Produkte an, »aber mit denen kann ich gut mithalten. Weil ich eine treue Stammkundschaft habe, die die persönliche Atmosphäre im Laden schätzt. Und wegen der guten Lage kommen auch viele Touristen.« Dennoch ist ihm ein Alleinstellungsmerkmal wichtig: »Ich möchte hier nicht nur verkaufen, sondern einen Ort der Begegnung mit Kunst, Musik und Vorträgen schaffen.« Wegen Corona habe das Begonnene leider nicht fortgesetzt werden können. »Aber ich bleibe dran.«

Ich lass jetzt die anderen die Welt retten.

Die Mühe ums Wasser

Eberhard Birnack

Brunnenbaumeister Eberhard Birnack

Eberhard Birnack

Brunnenbaumeister Eberhard Birnack hat den Familienbetrieb 1989 übernommen. Ein Nachfolger hat sich bislang nicht gefunden. (Foto: Andreas Batke)

Die Mühe ums Wasser

Brunnenbaumeister Eberhard Birnack kennt rund um Beeskow jedes Dorf und fast jeden Hof. Selbst die Häuser, die allein mitten im Wald oder auf dem Acker stehen, kennt er mit Namen. Denn weil diese Anwesen keinen Anschluss an die kommunale Wasserversorgung haben, hat Herr Birnack bei jedem von ihnen irgendwann einen Brunnen gebohrt. Und wenn er es nicht war, war es sein Onkel, sein Großvater, sein Urgroßvater oder Ururgroßvater, der den Namen Karras trug und im Jahr 1886 den Handwerksbetrieb »Karras Brunnenbau« gründete. Eberhard Birnack übernahm ihn im Jahr 1989. Die Firma Karras ist ein Familienbetrieb mit wenigen Mitarbeitern und einem Bohrer, der bis in die zweite Schicht des Grundwassers reicht, von 30 bis in 100 Meter Tiefe. Birnacks Geschäft sind meist private Brunnen – solche von Hauseigentümern oder von Landwirten zum Beispiel. Seine Vorfahren errichteten in Beeskows Umgebung die Brunnen der Bauernhöfe. »Das waren einfache Brunnen«, weiß Birnack zu erzählen. Sie reichten meist nur ein paar Armlängen tief ins »Schichtenwasser« und dienten dazu, Mensch und Tier mit Trinkwasser zu versorgen. Wenn heute ein Brunnen errichtet werden soll, lässt sich nur schwer vorhersagen, wie tief gebohrt werden muss. Ab wann Wasser zu erwarten ist, kann im Grunde nur abschätzen, wer in direkter Nähe schon einmal gebohrt hat. In den nächsten Jahren wird Birnack in Rente gehen. Bisher hat sich noch kein Nachfolger gefunden. Und das obwohl – oder vielleicht gerade weil – Brunnenbau ein anspruchsvolles und Handwerk ist. In der Zukunft, schätzt er, werden wenige und dafür größere Firmen für Brunnenbau das Rennen machen.

Meistens muss man nur dann neu bohren, wenn ein Brunnen kein Wasser mehr gibt.

Beeskow

Trockenbohrung auf einem Grundstück in Jessern

Beeskow

Kartenansicht Trockenbohrung auf einem Grundstück in Jessern (Foto: Andreas Batke)

Brot auf Rädern

Claudia Sakic und Kathrin Schulze

Claudia Sakic (l.) und Kathrin Schulze leiten die Landbäckerei.

Claudia Sakic und Kathrin Schulze

Mit den Schwestern Claudia Sakic (l.) und Kathrin Schulze leiten erstmals zwei Frauen, die Landbäckerei Schulze aus Pretschen. (Foto: Andreas Batke)

Brot auf Rädern

An einem Dienstag, 10.45 Uhr, in Trebatsch. Claudia Sakic, Tochter von Alt-Bäckermeister Dieter Schulze, lenkt den Verkaufswagen der Landbäckerei Schulze aus Pretschen auf die kleine Parkfläche vor der leuchtend bunten Graffitiwand zu Ehren Ludwig Leichhardts, des berühmten Trebatscher Australienforschers. Unmittelbar dahinter folgen ein Wagen mit Fleisch- und Wurstwaren sowie einer mit Obst und Gemüse. Versorgung auf dem Land in Zeiten, wo es dort kaum noch Einzelhandelsgeschäfte gibt und man mobil sein muss, um das zu besorgen, was man zum Leben braucht. Die Landbäckerei Schulze arbeitet grenzüberschreitend. Der Stammsitz in Pretschen, Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide, liegt im Landkreis Dahme-Spree, doch auf ihren Touren fahren die Bäckerwagen ebenso mehrere Orte im nur wenige Kilometer entfernten Landkreis Oder-Spree an. Bis ins Jahr 1890 lassen sich die Wurzeln der Landbäckerei zurückverfolgen. »Unseren Vater Dieter eingeschlossen, hatten immer die Söhne das Sagen im Betrieb. Wir sind die erste Frauengeneration, die das Geschäft führt«, erklärt Kathrin Schulze, die Schwester von Claudia Sakic, welche nicht nur im Verkauf, sondern als Konditorin auch für die Tortenproduktion Verantwortung trägt. Solange es geht wollen die beiden weiter backen und verkaufen. Ob die Familientradition nach ihnen fortgeführt wird, ist indessen nicht sicher. Beide haben zwar Kinder, ein Nachfolger sei jedoch nicht in Sicht.

Wir sind die erste Frauengeneration, die das Geschäft führt.

Landbäckerei Pretschen

Die Sawaller kauft ihre Brötchen am Bäckerwagen

Landbäckerei Pretschen

Kartenansicht Früher kauften die Sawaller ihre Brötchen im Dorfkonsum, heute bringt sie der Bäckerwagen aus Pretschen. (Foto: Andreas Batke)

Reserverad und Wagenheber

Reserverad und Wagenheber

Reserverad und Wagenheber

Reserverad und Wagenheber, Leihgeber: Bäckerei Pretschen (Foto: Armin Herrmann)

Napfkuchenformen

Napfkuchenformen

Napfkuchenformen

Napfkuchenformen, 19. Jh. (Foto: Armin Herrmann)

Notstand im Wald

Petra Senger

Amtstierärztin Petra Senger

Petra Senger

Amtstierärztin Petra Senger ist zurzeit gefordert wie noch nie in den drei Jahrzehnten ihres Berufslebens. (Foto: Andreas Batke)

Notstand im Wald

Petra Senger, Amtstierärztin des Landkreises Oder-Spree, ist zurzeit gefordert wie noch nie in den drei Jahrzehnten ihres Berufslebens. Ihr Gegner heißt: ASP – Afrikanische Schweinepest. Im September 2020 wurde der erste Fall in Deutschland nachgewiesen. Die Seuche ist hoch ansteckend, ihr Erreger auf Wild- und Hausschweine fixiert. Sind die Tiere infiziert, gehen sie an dieser Krankheit qualvoll zugrunde. Menschen können an ASP zwar nicht erkranken – aber sie können den Erreger leicht in ihre Schweinställe einschleppen. Einmal durch ein Waldstück oder über einen Acker gelaufen, wo ein infiziertes Wildschwein verweste – schon könnte man den Erreger am Schuh oder an der Kleidung haben und überallhin tragen. Deshalb ist das Betreten der Wälder in den ASP-Kernzonen streng verboten. Der Kampf gegen diese Seuche kann nur gewonnen werden, wenn diese Kernzonen permanent nach toten Tieren abgesucht, die Kadaver entfernt und verbrannt werden. Petra Senger organisiert und koordiniert dafür wöchentlich Trupps. Unterstützt wird das Veterinäramt dabei von der Bundeswehr, von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung Oder-Spree, des Technischen Hilfswerkes (THW), der Feuerwehr.

Es war nichts, was uns überrascht hätte.

Landkreis Oder-Spree

Mitarbeitende des Landkreises Oder-Spree bei der Fallwildsuche

Landkreis Oder-Spree

Kartenansicht Mitarbeitende des Landkreises Oder-Spree bei der Fallwildsuche (Foto: Andreas Batke)

Fachbuch »Schweinekrankheiten«

Fachbuch »Schweinekrankheiten«

Fachbuch »Schweinekrankheiten«

Fachbuch »Schweinekrankheiten«, Dannenberg, Hans-Dieter, Wolfgang Richter Wolf-Dietrich Wesche u. a., VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag

ASP-Schild

Afrikanische Schweinepest - Schild

ASP-Schild

Afrikanische Schweinepest – Schild (Foto: Armin Herrmann)

Aus Liebe zum Tier

Frank Groß

Frank Groß, Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Ranzig

Frank Groß

Frank Groß, Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Ranzig (Foto: Andreas Batke)

Aus Liebe zum Tier

»Ohne uns würden all diese Tiere gar nicht leben«, sagt Frank Groß, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Ranzig, und weist auf die Ställe der Rinder und Schweine sowie die Weiden der Fleischkühe. »Sie werden hier geboren, gemästet und auch geschlachtet.« Von der Besamung über die Geburt bis zur Schlachtung und den Verkauf ist das alles genau getaktet, wissenschaftlich analysiert und berechnet. Dazwischen haben die Fleischkühe im Vergleich zu vielen ihrer Artgenossinnen irgendwo anders in Deutschland auf dem Gelände von Ranzig ein recht gutes Dasein. Die späteren Mutterkühe zum Beispiel werden draußen auf den Wiesen geboren und grasen dann mehrere Jahre dort. Auch die Mastschweine, allesamt selbst aufgezogen, leben in Ranzig länger als die im deutschen Durchschnitt üblichen sechs Monate. Durch das von einer Berliner Universität betreute Forschungsprojekt »Stallgrün« grunzen die Sauen zudem unter einem begrünten Dach. Das soll den Abbau der Schadgas-Produktion durch die Tiere begünstigen und findet in Ranzig großen Anklang. Die 1991 aus der LPG Ranzig hervorgegangene Agrargenossenschaft kann mit ihrem guten Namen punkten und erfreut sich im Landkreis vor allem in den fünf Verkaufsstellen der Landfleischerei großen Zuspruchs. Frischer und auf kürzerem Weg kann der Kunde tatsächlich kaum an die Produkte kommen. »Alles, wirklich alles, was man in den Läden kaufen kann, haben wir selbst produziert«, sagt Hartmut Lehmann, der für die Fleischproduktion verantwortlich zeichnet.

Ohne uns würden all diese Tiere gar nicht leben

Agrargenossenschaft Ranzig

Mitarbeitende der Agrar Ranzig am Melkkarussel

Agrargenossenschaft Ranzig

Kartenansicht Mitarbeitende der Agrar Ranzig am Melkkarussel (Foto: Andreas Batke)

Eine Reportage über die Agrargenossenschaft Ranzig in Tauche

Der Podcast wurde gefördert durch KULTUR.GEMEINSCHAFTEN – Ein gemeinsames Förderprogramm für digitale Content-Produktion in Kultureinrichtungen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kulturstiftung der Länder.