»Die Narbe der deutschen Einheit«

Ulla Walter

Eine Künstlerin steht in einem hellen Atelier vor einem großen Fenster, umgeben von verschiedenen Skulpturen, Staffeleien und gerahmten Kunstwerken an den Wänden.

Ulla Walter

Künstlerin Ulla Walter in ihrem Schöneicher Atelier (Foto: Andreas Batke)

»Die Narbe der deutschen Einheit«

Der Heidehof in Schöneiche

Als Ulla Walter 1982 den »Heidehof« in Schöneiche für sich entdeckt, ist er eine Abrissruine. Dass die einstige Gaststätte ausbaufähig ist, davon kann die Künstlerin die zuständigen Stellen schnell überzeugen. Kaufen allerdings darf sie sie vorerst nicht. Stattdessen bietet man ihr einen unbegrenzten Nutzungsvertrag an – für 99 Jahre. Ein gigantischer Um- und Ausbau beginnt; der »Heidehof« wird nicht nur Wohn- und Atelierraum, sondern Sammelpunkt für die alternative Szene, Veranstaltungsort für Lesungen, Konzerte und Ausstellungen der von Walter mitgegründeten Gruppe INSTABIL. Als die Wende kommt, kann die Künstlerin ihn endlich kaufen. Jedoch: Die ehemalige Besitzerin, die 1957 nach Westdeutschland ausgereist ist, steht noch im Grundbuch. Jetzt erhebt sie Ansprüche auf Haus und Land. Ihre Grundlage: das Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen, das all jenen helfen soll, die im Osten enteignet oder zum Verkauf ihrer Immobilie genötigt worden sind. Insgesamt mehr als 815.000 Anträge werden in den neuen Bundesländern im Rahmen dieses Gesetzes gestellt. Für Ulla Walter endet der kräftezehrende und unschöne Kampf um ihren Hof mit einem gerichtlichen Vergleich. Ihr Haus und 1.300 Quadratmeter – von 2.800, die sie bezahlt hat – darf sie behalten. Den Kaufpreis dafür zurück bekommt sie nicht. Hätten sie und die ehemalige Besitzerin sich gleich und ohne Anwälte an einen Tisch gesetzt, glaubt die Künstlerin, wäre die Sache zwischen ihnen niemals so hochgekocht.

Ich fühlte mich wie in die Abenteuer dieser Ruine hineingeboren.
Die gesamte Geschichte zum Nachhören:

Postkarte

Historische Schwarz-Weiß-Postkarte vom Gasthof zur Kanone von Paul Bähle. Das Gebäude ist von Bäumen umgeben, vor dem Haus stehen Männer neben einer alten Kanone auf einem Holzradgestell. Ein Holzzaun trennt das Gebäude vom unbefestigten Weg.

Postkarte

Postkarte »Gasthof zur Kanone Paul Bähle an der Kersdorfer Schleuse« von 1938 (Foto: Armin Herrmann)

Ansichtskarte

Historische Ansichtskarte aus dem Jahr 1982 mit handschriftlichem Text, DDR-Briefmarken mit Schubschiff- und Blumenmotiv sowie einem Poststempel der Stadt der Bäder, Bad Saarow-Pieskow.

Ansichtskarte

Postkarte Bad Saarow – »HO-Gaststätte Pechhütte« Bad Saarow-Pieskow 1982 (Foto: Armin Herrmann)

Modell

Architekturmodell der Kulturinsel Heidehof im Maßstab 1:200. Das weiße Gebäudemodell steht auf einem Plan mit eingezeichneten Außenanlagen und wird von kleinen, kahlen Zweigen als stilisierte Bäume umrahmt.

Modell

Modell »Kulturinsel Heidehof« von Dipl.-Ing. Wilhelm von Wolff und Dipl.-Ing. Heike Iffert (Foto: Armin Herrmann)

Heidehof Schöneiche

Schwarz-Weiß-Aufnahme des »Heidehof« der Künstlerin Ulla Walter mit zwei hohen Rundbogenfenstern, einem Ziegeldach und einem davorstehenden Holzzaun, umgeben von kahlen Ästen im Winter.

Heidehof Schöneiche

Kartenansicht Blick auf den »Heidehof« der Künstlerin Ulla Walter (Foto: Andreas Batke)