Die Stille in uns

Eileen Fröhlich

Eileen Froelich kennt den Klang des Waldes - und versucht, ihn anderen zu vermitteln. (Foto: Andreas Batke)

Eileen Fröhlich

Eileen Froelich kennt den Klang des Waldes – und versucht, ihn anderen zu vermitteln. (Foto: Andreas Batke)

Die Stille in uns

Als Eileen Froelich vor vielen Jahren selbst zum Waldbaden kam, ging es ihr wie heute vielen ihrer Kunden: Sie alle suchen eine Erfahrung, die die Unruhe im Außen so weit reduziert, dass die innere Stimme wieder hörbar wird. Vor allem die Menschen aus der Stadt haben eine besondere Sehnsucht nach dem Wald, weiß die gebürtige Berlinerin. Ihr Großvater habe sie einmal gefragt, warum man sie brauche, um in den Wald zu gehen. Er tue das schließlich schon sein Leben lang – und das alleine. »Was wir hier machen, ist Verweilen im Hier und Jetzt, ist Achtsamkeitsarbeit. Um zu üben, einfach im Moment zu sein, ist es gut, jemanden dabei zu haben, der den Raum für dich hält und dir die Gelegenheit gibt, für eine längere Zeit im Hier und Jetzt zu bleiben.« Eileen verwendet am liebsten den originalen Namen Shinrin Yoku, der aus dem Japanischen stammt. Dort sei die im Deutschen als Waldbaden bekannte Methode erfunden worden und seit vielen Jahren auch eine anerkannte Präventionsmaßnahme. Waldbaden wirke sich auf unser Immunsystem und unsere seelische Gesundheit aus. Saskia Hoffmann und Jan Treuholz, die mit ihrer Firma »Bewegt im Wald« in Woltersdorf sitzen, bestätigen die große Bedeutung von Akustik für den Erfolg des Waldbadens. Im Gegensatz zu menschengemachten Geräuschen werde die natürliche Geräuschkulisse des Waldes als beruhigend wahrgenommen. »Natürliche Klänge wie Vogelgezwitscher oder Blätterrascheln lenken die Aufmerksamkeit sanft auf den Moment. Belastende Erinnerungen oder Zukunftssorgen, die krankmachende Stresshormone auslösen, spielen nun keine Rolle mehr.«

Wenn es ruhig wird, wird es laut im Kopf

Bad Saarow

Kontaktaufnahme mit der Natur: eine Gruppe Menschen beim Waldbaden. (Foto: Andreas Batke)

Bad Saarow

Kartenansicht Kontaktaufnahme mit der Natur: eine Gruppe Menschen beim Waldbaden. (Foto: Andreas Batke)

Dem Wild zur Ehre

Horst Wilde

Horst Wilde hat das Jagdhornblasen von der Pieke auf gelernt. (Foto: Andreas Batke)

Horst Wilde

Horst Wilde hat das Jagdhornblasen von der Pieke auf gelernt. (Foto: Andreas Batke)

Dem Wild zur Ehre

»Jägersleut versammelt euch, ich hab‘ euch was zu sagen!« So lautet der Text zu einem der Jagdhornsignale, die die Jäger in ganz Deutschland blasen – ein Bestandteil des jagdlichen Brauchtums. Ein einfaches Jagdhorn – meistens handelt es sich um ein sogenanntes Fürst-Pless-Horn – ist ein trichterförmiges Messingrohr, das sich in der Mitte kreisförmig windet. An der einen Seite sitzt das Mundstück, an der anderen weitet sich der Trichter. Weil es keine Ventile besitzt, kann der Jäger oder die Jägerin auf dem Jagdhorn nur fünf »Naturtöne« hervorbringen. Für die Kommunikation auf der Jagd muss das reichen. Horst Wilde fing 1978 an mit der Jagd. Dass er auch mit dem Jagdhornblasen begann, lag daran, dass die Jagdhornbläser aus den frühen Jahren immer älter wurden und viele aufhörten. »Wenn man alt wird, kann man nicht mehr so gut blasen.« Auch änderte sich nach der Wende die Organisation der Jagd. Es gibt nun Jagdgenossenschaften, denen die Jäger eine Jagdpacht zahlen. Horst Wilde pachtete mit anderen Jägern das Revier Giesensdorf/Wulfersdorf. »Wir sind auf Jagden gewesen, da sind wir zusammengekommen und wieder auseinandergelaufen wie eine Horde Räuber«, erzählt er. In seinen Augen ging das so nicht. »Man kann nicht eine Jagd machen und das Wild hinlegen, und es wird nicht vernünftig geehrt und verblasen.« Aus diesem Grund belegte Wilde einen Lehrgang und lernte von der Pieke auf das Jagdhornblasen. Nach und nach fand sich wieder eine Handvoll Jagdhornbläser. Seither kann bei den größeren Jagden wieder das Wild geehrt werden, wie es der Brauch will.

Wenn man alt wird, kann man nicht mehr so gut blasen

Giesensdorf

Im Revier Giesensdorf/Wulfersdorf hat sich wieder eine Handvoll Jagdhornbläser zusammengefunden. (Foto: Andreas Batke)

Giesensdorf

Kartenansicht Im Revier Giesensdorf/Wulfersdorf hat sich wieder eine Handvoll Jagdhornbläser zusammengefunden. (Foto: Andreas Batke)

Ständer

Um 1900, Herkunft unbekannt, Altkreis Beeskow-Storkow, Geweih (Damwild)/Holz/Eisen, verschraubt, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Ständer

Um 1900, Herkunft unbekannt, Altkreis Beeskow-Storkow, Geweih (Damwild)/Holz/Eisen, verschraubt, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Horn

Fürst-Pless-Horn in B - Nach 1990, Fa. Dotzauer, Karlstadt, teilversilbertes Messing/ Leder, Hornfessel (Trageriemen) mit Hornfesselspange in Silber, Leihgeber: Horst Wilde, Giesensdorf (Foto: Bernd Choritz)

Horn

Fürst-Pless-Horn in B – Nach 1990, Fa. Dotzauer, Karlstadt, teilversilbertes Messing/ Leder, Hornfessel (Trageriemen) mit Hornfesselspange in Silber, Leihgeber: Horst Wilde, Giesensdorf (Foto: Bernd Choritz)

Geburtshelfer für Musik

Ekkehard Krüger

Ekkehard Krüger im Lager des Beeskower »ortus musikverlages« (Foto: Andreas Batke)

Ekkehard Krüger

Ekkehard Krüger im Lager des Beeskower »ortus musikverlages« (Foto: Andreas Batke)

Geburtshelfer für Musik

»Ortus musikverlag«, der Name klingt international, fast geheimnisvoll. »Ortus heißt auf Latein: werden, wachsen, beginnen – und auch Osten. Das gefiel uns«, erklärt Ekkehard Krüger. Gegründet haben er und Tobias Schwinger den Verlag 1998, nach ihrem gemeinsamen Studium. »Der Sitz in Beeskow war eine pragmatische Entscheidung: Wir hatten dieses große Haus, Platz für Lager und Büro, und mein Vater half beim Versand.« Seither erschienen rund 300 Publikationen, wissenschaftlich-kritische Erstausgaben, oft Erstdrucke vergessener Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert. »Das ist eine Nische, aber eine sehr lebendige.« Die Auflagenzahlen sind je nach Werk sehr unterschiedlich, manche Titel erscheinen in 300, wenige in 1.000 Exemplaren. Werke von Georg Philipp Telemann, seltene Barockopern, Chormusik und Instrumentalwerke finden über »ortus« den Weg zurück auf Konzertbühnen. »Ich sehe mich als Geburtshelfer«, sagt Ekkehard Krüger. »Nicht ich stehe im Vordergrund, sondern der Herausgeber oder der Komponist. Ich sorge dafür, dass die Edition unter den besten Bedingungen das Licht der Welt erblickt.« In Beeskow ist der Verlag lokal fest verankert und doch auch international vernetzt. »Unsere Kundschaft reicht von Japan bis in die USA.« Nach mehr als 25 Jahren Verlagstätigkeit hat sich »ortus« einen Platz in der Alte-Musik-Szene erarbeitet. »Wir könnten noch viel mehr machen, aber wir bleiben lieber klein und unabhängig.« Projekte werden sorgfältig ausgewählt, oft mit Blick darauf, welche Lücken in der Repertoirelandschaft bestehen. »Wir wollen nicht wiederholen, was es schon gibt.«

Unsere Kundschaft reicht von Japan bis in die USA

Beeskow

Blick auf die Regale im Beeskower »ortus musikverlag« (Foto: Andreas Batke)

Beeskow

Kartenansicht Blick auf die Regale im Beeskower »ortus musikverlag« (Foto: Andreas Batke)

Die singenden Frauen von Erkner

Waltraud Catholy und Sabine Korrmann

Waltraud Catholy (l.) und Sabine Korrmann sind sich einig: »Singen in der Gemeinschaft macht Spaß.« (Foto: Andreas Batke)

Waltraud Catholy und Sabine Korrmann

Waltraud Catholy (l.) und Sabine Korrmann sind sich einig: »Singen in der Gemeinschaft macht Spaß.« (Foto: Andreas Batke)

Die singenden Frauen von Erkner

Vereinsvorsitzende Sabine Korrmann aus Köpenick gehört mit ihren 62 Jahren zu den jüngsten Mitgliedern des Frauenchor Erkner e.V. Waltraud Catholy ist 88 und seit fast 45 Jahren dabei. Ihr Alter sieht man beiden nicht an. »Singen in Gemeinschaft macht einfach Spaß, baut Stress ab und hält gesund«, sind sie sich einig. Die 33 Mitglieder des Chores treffen sich jeden Mittwoch im Mehrzweckraum der Stadthalle Erkner. »Die meisten Frauen kommen zu jeder Probe. Der Chor ist ein fester Bestandteil unseres Lebens«, sagt Sabine Korrmann. Im Erkneraner Chor sind vier Stimmlagen vertreten: Sopran I, Sopran II, Mezzosopran und Alt. Sabine Korrmann singt in der Stimmlage Alt, Waltraud Catholy Sopran I. Dank des studierten Gesangslehrers Thomas Mahler, der seit 1993 den Frauenchor leitet, sind die Musikstücke oft sehr anspruchsvoll. »Wir haben unter anderem Lieder auf Ungarisch und Englisch drauf, singen Volkslieder, Schlager aus den 1920ern, Gospel, klassische, mehrstimmige Stücke und christliches Liedgut«, berichtet Sabine Korrmann. Die Wurzeln des Chores liegen in einer Erkneraner Kleingartensparte, in der sich 1968 ein paar Frauen und Männer als Singegruppe zusammenschlossen. »Die Männer hatten irgendwann keine Lust mehr, seit 1974 heißen wir Frauenchor Erkner«, erläutert Waltraud Catholy. Jede Frau, die gern singen wolle, könne mitmachen. Zu den Jahreshighlights gehört das Weihnachtskonzert im Erkneraner Bürgersaal; weitere feste Größen im Veranstaltungskalender sind das Pfingstkonzert, der Auftritt beim Heimat- und Kolonistenfest und beim Weihnachtsmarkt im Heimatmuseum.

Singen in Gemeinschaft macht einfach Spaß

Erkner

Der Erkneraner Frauenchor bei der Probe. (Foto: Andreas Batke)

Erkner

Kartenansicht Der Erkneraner Frauenchor bei der Probe. (Foto: Andreas Batke)

Statuette

»Chorleiter Thomas Mahler« - 2018, Plastik von Anett Vetter, Keramik, farbig gefasst, Leihgeber: Frauenchor Erkner e. V. (Foto: Bernd Choritz)

Statuette

»Chorleiter Thomas Mahler« – 2018, Plastik von Anett Vetter, Keramik, farbig gefasst, Leihgeber: Frauenchor Erkner e. V. (Foto: Bernd Choritz)

Stimmgabel

Stimmgabeln im Etui - Um 1900, Herkunft unbekannt, Metall/Leder/Textil, Gravuren: Kammerton A auf Notenlinien, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Stimmgabel

Stimmgabeln im Etui – Um 1900, Herkunft unbekannt, Metall/Leder/Textil, Gravuren: Kammerton A auf Notenlinien, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Alles aus Liebe zur Musik

Joachim Seidler

Joachim Seidler brennt für Musik - und gibt auch als Mittachtziger noch gern den Ton an. (Foto: Andreas Batke)

Joachim Seidler

Joachim Seidler brennt für Musik – und gibt auch als Mittachtziger noch gern den Ton an. (Foto: Andreas Batke)

Undine Lux

Sich auf der Bühne zu präsentieren, hat Undine Lux in der Musikschulzeit gelernt. (Foto: Andreas Batke)

Undine Lux

Sich auf der Bühne zu präsentieren, hat Undine Lux in der Musikschulzeit gelernt. (Foto: Andreas Batke)

Alles aus Liebe zur Musik

Joachim Seidler hat sein Leben der Musik gewidmet – als Interpret, Arrangeur, Ensemble-Leiter, vor allem aber als Musikschul-Lehrer. 1987 führte ihn der berufliche Weg an die Musikschule Schwedt. Später übernahm er die Leitung der Musikschule Fürstenwalde und – bis zu seinem Ruhestand 2004 – der Musik- und Kunstschule Oder-Spree. Parallel dazu stellte er immer wieder Gruppen zusammen, führte sie und arrangierte je nach Besetzung. Allein für die 20 Leute von »Joes Bigband«, seinem vor mehr als 30 Jahren als Musikschulleiter gegründeten »Paradeschiff«, sind es Hunderte Blätter. Was Joachim Seidler ausmacht: Er brennt für die Musik, sucht kreativ nach Wegen, mit seiner Begeisterung andere anzustecken. Wie Undine Lux. Sie und Seidler sind zwei der »Markenbotschafter« der Musikschule Oder-Spree, die seit 2016 den Namen »Jutta Schlegel« trägt und aktuell über vier Standorte verfügt – Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde, Beeskow und Schöneiche. Bei Undine Lux hat es in Kindheitstagen gefunkt; in der Fürstenwalder Musikschule wurde die Passion gefestigt. Als »Deutschlands offizielles Helene-Fischer-Double« hat sie als Künstlerin das Laufen gelernt – bis sie nach zehn Bühnen-Jahren im Herbst 2018 die blonde Perücke an den Haken gehängt und seither ihrer Profession eine eigene Handschrift gegeben hat: die Sängerin, Jahrgang 1988, mit dem unverkennbar einzigartigen Look – in Pink. In ihrer Musikschulzeit habe sie gelernt, sich auf der Bühne zu präsentieren. »Wenn ich an der Musikschule Fürstenwalde vorbeifahre«, sagt sie, »kommen all die schönen Geschichten hoch.«

Um ein Instrument zu erlernen, kann man talentfrei sein

Fürstenwalde

Sängerin Undine Lux übergibt bei einem Auftritt in Fichtenwale den Tontechnikern das Tablet mit ihrer Begleitmusik. (Foto: Andreas Batke)

Fürstenwalde

Kartenansicht Sängerin Undine Lux übergibt bei einem Auftritt in Fichtenwale den Tontechnikern das Tablet mit ihrer Begleitmusik. (Foto: Andreas Batke)

Klavierführer

Klavierführer für Anfänger - 2025, abnehmbare Klaviertastatur-Notenetiketten, BEATBIT Piano Note Strips, Bejing Lezhi Technology Co. Ltd. (VR China), Silikon, bedruckt, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Klavierführer

Klavierführer für Anfänger – 2025, abnehmbare Klaviertastatur-Notenetiketten, BEATBIT Piano Note Strips, Bejing Lezhi Technology Co. Ltd. (VR China), Silikon, bedruckt, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Metronom

Mechanisches Metronom - 1970er-Jahre, DDR (Deutsche Demokratische Republik), VEB Sinfonia Markneukirchen (heute Freistaat Sachsen), zum Aufziehen, Holz/Metalle/Kunststoff, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Metronom

Mechanisches Metronom – 1970er-Jahre, DDR (Deutsche Demokratische Republik), VEB Sinfonia Markneukirchen (heute Freistaat Sachsen), zum Aufziehen, Holz/Metalle/Kunststoff, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Ein Maskottchen für Hütte

Andrea Titzki

Seit 2017 laufen alle Fäden für das Musiclaprojekt bei Andrea Titzki zusammen. (Foto: Andreas Batke)

Andrea Titzki

Seit 2017 laufen alle Fäden für das Musiclaprojekt bei Andrea Titzki zusammen. (Foto: Andreas Batke)

Ein Maskottchen für Hütte

Knapp 50 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wollen an diesem Sonntag im Mai ihr Talent beweisen und eine der Rollen in der diesjährigen Inszenierung »Snowy und der Traum von den Sternen« ergattern. Das Musical um den tollpatschigen Schneemann, der dem Publikum regelmäßig im Advent seine neusten Abenteuer präsentiert, ist eine Eisenhüttenstädter Erfolgsgeschichte: Von Profis erdacht und inszeniert, von Laien zum Bühnenleben erweckt – mit diesem einfachen Rezept werden Winter für Winter zuverlässig die Reihen im Friedrich-Wolf-Theater gefüllt. Ersonnen hat den singenden Schneemann der Eisenhüttenstädter Musiker Axel Titzki gemeinsam mit Jörg Dagenbach und kreativen Köpfen des Vereins InterKultur VielFarben – als Projekt mit und für Kinder und Jugendliche der Stadt, um jenen eine Chance auf kulturelle Beteiligung zu geben, die sonst keine bekommen. Was mit »Das vertauschte Fest« 1997 begann, ging nahtlos in Serie. Jahr für Jahr komponierte Titzki neue Musik zur jeweiligen Snowy-Geschichte, war ab 2002 auch Mit-Autor, ab 2012 alleiniger Story-Erfinder und Drehbuch-Autor. Als Axel Titzki im Januar 2017 starb, übernahmen seine Frau Andrea – von Haus aus Telekommunikationsspezialistin in der IT-Branche – und seine älteste Tochter Allanah das Ruder. Kamen anfangs noch Neuauflagen älterer Schneemann-Abenteuer auf die Bühne, entstand 2021 mit »Snowy und Mister Z« die erste komplett neue Show. »Snowy«, sagt Andrea Titzki, »ist zum Maskottchen der Stadt geworden.«

Snowy war Axels Herzensprojekt

Eisenhüttenstadt

»Snowy« gehört mittlerweile zu Eisenhüttenstadt wie das Stahlwerk. (Foto: Andreas Batke)

Eisenhüttenstadt

Kartenansicht »Snowy« gehört mittlerweile zu Eisenhüttenstadt wie das Stahlwerk. (Foto: Andreas Batke)

Snowy Accessoires

Bühnenaccessoires von Snowy: Rote Nase, Wollschal, Mütze - Nach 2000, Kunststoff/Wolle/Kunstfaser, Leihgeberin: Andrea Titzki, Eisenhüttenstadt (Foto: Bernd Choritz)

Snowy Accessoires

Bühnenaccessoires von Snowy: Rote Nase, Wollschal, Mütze – Nach 2000, Kunststoff/Wolle/Kunstfaser, Leihgeberin: Andrea Titzki, Eisenhüttenstadt (Foto: Bernd Choritz)

Snowy Programm

Eintrittskarte und Programmheft der 22. Arbeiterfestspiele der DDR im Bezirk Frankfurt (Oder), 24.–26. Juni 1988 - Juni 1988, Papier/Pappe, DDR, herausgegeben vom Bezirksvorstand des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) Frankfurt (Oder), Sammlung: Museum Utopie und Alltag, Bestand Alltagskultur (Foto: Bernd Choritz)

Snowy Programm

Eintrittskarte und Programmheft der 22. Arbeiterfestspiele der DDR im Bezirk Frankfurt (Oder), 24.–26. Juni 1988 – Juni 1988, Papier/Pappe, DDR, herausgegeben vom Bezirksvorstand des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) Frankfurt (Oder), Sammlung: Museum Utopie und Alltag, Bestand Alltagskultur (Foto: Bernd Choritz)

DALLI DALLI übers Land

Eike Bader

Eike Bader, Projektleiter beim DALLI, setzt auf Teilhabe. (Foto: Andreas Batke)

Eike Bader

Eike Bader, Projektleiter beim DALLI, setzt auf Teilhabe. (Foto: Andreas Batke)

Busfahren nach Bedarf

Mobilität im ländlichen Raum heißt: Du hast ein Auto und bist mobil, oder du hast keins und dann … ja, was dann? Seit zwei Jahren heißt eine Antwort darauf: »Rufen Sie sich doch den DALLI! Da müssen Sie nur die App runterladen.« Der DALLI ist nicht einfach nur ein Rufbus. Das Besondere ist im Wort »Linienbedarfsverkehr« versteckt, also ein Streckenplan nach Bedarf. Das ermöglichen die rund 500 alternativen Haltepunkte, die sich um die gesamte Region Storkow/Scharmützelsee verteilen. Kein Einwohner hat daher einen längeren Fußweg bis zur nächsten Haltestelle als maximal 200 Meter. Der Schlüssel zum Erfolg sei die Teilhabe, sagt Eike Bader, Projektleiter beim DALLI mit Sitz in Storkow. Mit ökologischen Argumenten in Bezug auf Mobilität brauche man im ländlichen Raum nicht kommen. Aber wenn die Enkel selbstständig zur Oma drei Orte weiterfahren können oder die Vorsorgeuntersuchung endlich wahrgenommen werden kann, weil der Arztbesuch kein Tagesausflug mehr ist, dann berührt das grundlegende gesellschaftliche Aspekte. Das DALLI-Projekt hat wöchentlich zweistellige Erstnutzerfahrten zu verzeichnen. Der Landkreis hat sich mit dem Projekt weit rausgelehnt, ebenso die beteiligten Kommunen Storkow und Scharmützelsee. Der Fahrgast selbst bezahlt zum regulären ÖPNV-Tarif lediglich noch einen Euro »Komfortzuschlag«. Perspektivisch ist ein landesweites Mobilitätskonzept dieser Art vorstellbar. Den Arbeitstitel gibt es schon: »DALLI – Dein Brandenbus«.

Rufen Sie doch den DALLI!

Bad Saarow / Storkow

Mobilität auf dem Lande (l.) war 2024 für viele Parteien auch ein Thema bei der Landtagswahl in Brandenburg. (Foto: Andreas Batke)

Bad Saarow / Storkow

Kartenansicht Mobilität auf dem Lande (l.) war 2024 für viele Parteien auch ein Thema bei der Landtagswahl in Brandenburg. (Foto: Andreas Batke)

Schiebetür eines Kleinbusses

Aufdruck:»DALLI Dein Brandenbus Oderland-Spree«, Stahloblech; Leihgeberin: DALLI Zentrale - MWM Solutions GmbH (Foto: Bernd Choritz)

Schiebetür eines Kleinbusses

Aufdruck:»DALLI Dein Brandenbus Oderland-Spree«, Stahloblech; Leihgeberin: DALLI Zentrale – MWM Solutions GmbH (Foto: Bernd Choritz)

Allzeit gut Fahrt!

Antonia und Lukas

Antonia und Lukas fahren mit der RB 36 zur Berufsschule nach Frankfurt (Oder). (Foto: Andreas Batke)

Antonia und Lukas

Antonia und Lukas fahren mit der RB 36 zur Berufsschule nach Frankfurt (Oder). (Foto: Andreas Batke)

Mit der RB 36 durch den Landkreis

Die Distanz zwischen Frankfurt (Oder) und dem Endbahnhof Königs Wusterhausen beträgt 80,3 Kilometer. Die RB 36 der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) hält an 20 Stationen und braucht dafür eine Stunde und 32 Minuten. In der Woche fahren die Züge zwischen 4:30 und 24 Uhr im Stundentakt. Lukas lernt Koch in Fürstenwalde. Wenn er zur Berufsschule muss, pendelt er mit der RB 36 zwischen Storkow, wo er wohnt, und Frankfurt, wo seine Schule ist. Er wird von Antonia und David begleitet, die auch in die Berufsschule gehen. Beide haben sich dort kennengelernt, aber beim Zugfahren ihre Beziehung intensiviert. Lars fährt heute mit seinem kleinen Sohn von Frankfurt nach Oegeln, eine Station vor Beeskow. Aus beruflichen Gründen ist er eine Zeitlang regelmäßig mit der RB 36 gefahren und zwischen Beeskow und Königs Wusterhausen gependelt. Er fährt sehr gerne Zug; auch aus ökologischen Gründen sei dieser eine sinnvolle Alternative zum Auto. In Grunow steigt Uwe ein. Er arbeitet in Berlin und ist als Journalist oft im Homeoffice. Zweimal die Woche muss er jedoch in die große Stadt. Er erzählt, dass er im Zug manchmal viel besser arbeiten kann als zu Hause und mit dem Laptop auf dem Schoß seine Texte fast von ganz alleine entstehen. Schaffnerin Christine Freund kennt über die Jahre schon viele Stammfahrgäste, zu denen es fast eine familiäre Beziehung gebe. Natürlich würden manche auch nerven, aber: »Die kommen rein … und steigen auch wieder aus, so etwas lasse ich gar nicht in meinen Kopf, sonst könnte ich den Job nicht machen.«

Allzeit gute Fahrt!

Friedersdorf bei Königs Wusterhausen

Ein Bauzug der Deutschen Bahn erneuert die Gleise in Friedersdorf. (Foto: Andreas Batke)

Friedersdorf bei Königs Wusterhausen

Kartenansicht Ein Bauzug der Deutschen Bahn erneuert die Gleise in Friedersdorf. (Foto: Andreas Batke)

Bahnhof Frankfurt (Oder)

Bahnhofshalle in Frankfurt (Oder): Auch hier hält die RB36. (Foto: Andreas Batke)

Bahnhof Frankfurt (Oder)

Kartenansicht Bahnhofshalle in Frankfurt (Oder): Auch hier hält die RB36. (Foto: Andreas Batke)

Werbeartikel der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB)

2024, Reisebesteck, Holz, Leinen/ Frühstücksbrettchen, Kunststoff/ Saftbecher »Heidi Kraut auf Tour«, Kunststoff/ Kaffeebecher, Leichtmetall, Kunststoff/ Memory-Spiel, Pappe, Vertrieb über Berlin-Assistent für die Niederbarnimer Eisenbahn, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Werbeartikel der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB)

2024, Reisebesteck, Holz, Leinen/ Frühstücksbrettchen, Kunststoff/ Saftbecher »Heidi Kraut auf Tour«, Kunststoff/ Kaffeebecher, Leichtmetall, Kunststoff/ Memory-Spiel, Pappe, Vertrieb über Berlin-Assistent für die Niederbarnimer Eisenbahn, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Überseekoffer

Um 1900, Herkunft unbekannt, Leder/Holz/Textil /Metall, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

Überseekoffer

Um 1900, Herkunft unbekannt, Leder/Holz/Textil /Metall, Sammlung: museum oder-spree (Foto: Bernd Choritz)

»Die Ruhe ist das Schönste«

Sabine Jürgens

Sabine Jürgens hat das Glück hinterm (Bus)Steuer gefunden. (Foto: Andreas Batke)

Sabine Jürgens

Sabine Jürgens hat das Glück hinterm (Bus)Steuer gefunden. (Foto: Andreas Batke)

Klaus-Peter Kuhnert

Der gehbehinderte Klaus-Peter Kuhnert (r.) ist auf den Bus angewiesen, um in die Stadt zu kommen. (Foto: Andreas Batke)

Klaus-Peter Kuhnert

Der gehbehinderte Klaus-Peter Kuhnert (r.) ist auf den Bus angewiesen, um in die Stadt zu kommen. (Foto: Andreas Batke)

»Die Ruhe ist das Schönste«

Klaus-Peter, 64 Jahre alt, aus Friedland nutzt den Bus eigentlich schon immer. »Ich komme sonst nicht von A nach B.« Er ist gehbehindert, da ist der Bus unerlässlich. Zudem ist er alleinstehend und fährt fast täglich nach Beeskow, um in der Kontakt- und Beratungsstelle am Bahnhof Kaffee zu trinken und sich mit anderen einsamen Menschen auszutauschen. Sabine Jürgens, kurz Tina, ist seit 2016 Busfahrerin. Anfangs war sie bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) angestellt. In der Großstadt hätten Beschimpfungen und absichtliches Ausbremsen auf der Tagesordnung gestanden. Egal ob die Leute mit dem Rad, dem Auto oder zu Fuß unterwegs waren: Es habe immer nur Stress gegeben. Heute arbeitet Tina beim »Busverkehr Oder-Spree«. »Die Menschen sind hier einfacher als in der Stadt.« Die Autofahrerinnen und Autofahrer seien viel verständnisvoller, würden deutlich mehr Rücksicht nehmen. Im Landkreis gibt es insgesamt fünf Busbahnhöfe: Fürstenwalde, Eisenhüttenstadt, Erkner, Müllrose und Beeskow. 176 Fahrer und Fahrerinnen decken alle Routen ab. Am Standort Beeskow arbeiten insgesamt 15 Fahrer. Tina ist dort die einzige Frau. Unter den Kollegen versteht man sich gut; die Strecken und Zeiten würden immer fair aufgeteilt. »Der Nachwuchs wurde in den letzten Jahren leider etwas vernachlässigt«, sagt Jörg Leu, Chef des Busbahnhofs Beeskow. »Nun kommt der Zuwachs aber wieder.«

Die Menschen sind hier einfacher als in der Stadt.

Beeskow

Für viele Menschen auf dem Lande ist der Bus das Mittel der Wahl, um von A nach B zu kommen. (Foto: Andreas Batke)

Beeskow

Kartenansicht Für viele Menschen auf dem Lande ist der Bus das Mittel der Wahl, um von A nach B zu kommen. (Foto: Andreas Batke)

Kutschenlampen

Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, Firma Romanowski, Warschau (damals Kongresspolen bzw. Weichselland), Kerzenbeleuchtung, Glas/Eisenblech, schwarz lackiert, Leihgeber: Museum Fürstenwalde (Foto: Bernd Choritz)

Kutschenlampen

Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, Firma Romanowski, Warschau (damals Kongresspolen bzw. Weichselland), Kerzenbeleuchtung, Glas/Eisenblech, schwarz lackiert, Leihgeber: Museum Fürstenwalde (Foto: Bernd Choritz)

Zahlbox

1960-/1970-Jahre, öffentlicher Personennahverkehr der DDR (Deutsche Demokratische Republik), Metall/Kunststoff/Papier, Leihgeber: Tram 88 e. V. (Foto: Bernd Choritz)

Zahlbox

1960-/1970-Jahre, öffentlicher Personennahverkehr der DDR (Deutsche Demokratische Republik), Metall/Kunststoff/Papier, Leihgeber: Tram 88 e. V. (Foto: Bernd Choritz)

Hühner über Land

Christian Schlingmann

Christian Schlingmann ist in zweiter Generation im Geflügelgeschäft. (Foto: Andreas Batke)

Christian Schlingmann

Christian Schlingmann ist in zweiter Generation im Geflügelgeschäft. (Foto: Andreas Batke)

Hühner über Land

Der Hühnerwagenfahrer, der monatlich durch den Landkreis fährt, verkauft Lebendgeflügel: Legehennen, Puten, Enten, Gänse von der Ladefläche eines Kleintransporters aus schwarzen Plastikgitterkäfigen. Sechs Kästen hochgestapelt, alle sind sauber und mit Stroheinstreu. Jeder Kasten ist oben durch farbige Schieber verschließbar. Die Schieber sind immer hakelig oder etwas kaputt. Vereinzelt rollen Eier zwischen den Krallen der Junghennen als sichtbares Zeichen für ihre Legereife. Auch Christian Schlingmann ist mit einem Hühnerwagen unterwegs. Der Chef des Geflügelhofes Schlingmann in Duben ist in zweiter Generation im Geflügelgeschäft und stammt aus Nordrhein-Westfalen. Seine Kinder werden den Betrieb übernehmen. Nach dem Mauerfall hat er in Kooperation mit einem Dubener auf dessen Hof angefangen, später dann einen ehemaligen LPG-Betrieb gekauft und umgebaut. Um fünf ist Schlingmann aufgestanden, hat die Hühner in die Käfige verladen und wird heute Abend circa 200 Kilometer zurückgelegt und ungefähr ebenso viele Hühner verkauft haben. Auf seiner Tourenliste sind Namen, Adressen und die Bestellungen von Kunden eingetragen. Er liefert teils bis vor die Haustür. Da es in Deutschland keine Brütereien mehr gibt, bezieht Schlingmann seine Tiere aus Frankreich. 18 Wochen verbringen die Junghühner auf seinem Hof, bis sie reif für den Weiterverkauf sind. Den Großteil der Hofarbeit erledigen seine Frau, seine Tochter und eine Angestellte. Was er wann und wie viel er verkaufen wird, muss er vorher „fühlen“. „Es sind ja keine Schuhe, die ich aus dem Regal ziehen kann.“ Da kann tatsächlich schon mal was knapp werden am Tourenende.

Nimmst noch ‘n Hahn dazu?

Storkow/Duben

Zwei Weiße, zwei Schwarze, zwei Sussex - Christian Schlingmann (l.) stellt die Hühnerlieferung für Reinhard Kirbs zusammen (Foto: Andreas Batke)

Storkow/Duben

Kartenansicht Zwei Weiße, zwei Schwarze, zwei Sussex – Christian Schlingmann (l.) stellt die Hühnerlieferung für Reinhard Kirbs zusammen (Foto: Andreas Batke)