Wie wir bauen sollen

Volker Ihm

Architekt Volker Ihm

Volker Ihm

Das Bestehende erhalten: Architekt Volker Ihm lebt auf dem Hof seiner Familie in Buchholz. (Foto: Andreas Batke)

Wie wir bauen sollen

Nicht jede Generation braucht ein Eigenheim

Ein Haus zu entwerfen und zu bauen, hat nicht nur etwas mit Technik, Geld, Handwerk und einem dicken Bündel juristischer Vorgaben zu tun, sondern auch mit Philosophie, Psychologie und Geschichte. »Planung«, sagt Volker Ihm, »ist am Ende auch Menschenkunde.« Als Architekt und Städtebauer beschäftigt er sich seit vielen Jahren intensiv damit, wie sich Bauen, Wohnen, das gesellschaftliche Zusammenleben, historisch gewachsene Strukturen und materielle und finanzielle Ressourcen zu etwas Sinnvollem und Nachhaltigem verbinden lassen. Einer der großen Vierseithöfe in Buchholz bei Steinhöfel gehört seit vielen Generationen seiner einst durch die innerdeutsche Grenze geteilten Familie. Vor 30 Jahren sah es dort so deprimierend aus, dass ein Teilabriss auch eine Option hätte sein können. Ihm aber wollte die Vergangenheit nicht planieren, sondern das Bestehende umbauen. Der Weg dahin führte über weitgehend unerforschtes Gelände. »Eine Scheune, einen Stall zum Wohnhaus umzufunktionieren – wie plant man so etwas? Es gab damals kaum Erfahrung auf diesem Gebiet«, erinnert sich Volker Ihm. »Und so wurden wir Pioniere im Umbau von alten Scheunen.« Ein anderes Problem, das ihn umtreibt, ist das energie- und ressourcenschonende Bauen. Es habe mit Ressourcenschonung nichts zu tun, wenn sich jede Generation ihr eigenes Haus hinstellt, sagt Ihm. Außerdem empfiehlt Ihm den Blick zurück. Schadstoffarm, energieeffizient und ressourcenschonend zu bauen, sei ja ein »altes Rezept«. Über Jahrhunderte verwendete man das Material, das am Ort kostengünstig und in ausreichender Menge zur Verfügung stand. In Steinhöfel und Buchholz waren das Feldsteine.

Planung ist am Ende auch Menschenkunde.

Wilmersdorf, Briesen (Mark)

Wilmersdorf, Briesen (Mark), Landkreis Oder-Spree

Wilmersdorf, Briesen (Mark)

Kartenansicht So kann es auch gehen: gut gewachsene Dorfstruktur rund um den Anger von Wilmersdorf (Foto: Andreas Batke)

Zeichenmaschine

Zeichenmaschine

Zeichenmaschine

FA Zeichenmaschine »robotron REISS« mit Zubehör von 1978-87 (Foto: Bernd Choritz)

Rakäte Typ TS 66

Rakäte Bewohner

Anna Gerlach, Sascha Haus, Kerstin und Maik Müller Rakäte

Rakäte Bewohner

Alle unter einem Dach: Anna Gerlach (v.l.), Sascha Haus sowie Maik und Kerstin Müller

Rakäte Typ TS 66

Zusammen wohnen in einer alten Schule

Sieben Menschen sind im Begriff, die ehemalige Käte-Agerth-Förderschule in Beeskow wieder mit Leben zu erfüllen. Sieben ganz unterschiedliche Charaktere mit sieben ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen: Altstadtmanagerin und Sanierungsbeauftragte, Maurer und Ingenieur, Store Managerin, Ton- und Lichttechniker, Sounddesigner, Tourenmanager, Gitarrist und Lehrerin. Gemeinsam geben sie dem Haus in gewisser Weise seinen ursprünglichen Sinn zurück – und schaffen doch etwas völlig Neues. 2020, mitten in der Corona-Pandemie, wurde es einigen von ihnen zu eng in der Hauptstadt. Sie suchten nach Alternativen: Alternativen zum Wohnen, zum Musikmachen und zum Musikaufnehmen, zum Geld verdienen. Die Idee, Wohn- und Kreativraum zu vereinen, war schnell geboren. Es galt, einen passenden Ort zu finden. Die Beeskower Altstadtmanagerin Kerstin Müller wusste um die verwaiste Schule, einen 1975 errichteten DDR-Typenbau »Erfurt TS 66«: 26.000 Quadratmeter Grundstücksfläche, davon 6.663 Quadratmeter Bauland und rund 19.000 Quadratmeter Wald; 720 Quadratmeter Wohnfläche sowie 335 Quadratmeter Arbeitsräume – was für ein enormer Raum, so viel Potenzial! Seit Dezember 2021 ist die »Rakäte GbR« Eigentümerin dieses Potenzials. Neben Kerstin und Maik Müller gehören Tochter Maxi Müller, Thomas Kosslick, Oliver Fries, Anna Gerlach und Sascha Haus dazu. Gemeinsam wollen sie in der »Käte« wohnen, arbeiten, einen Ort der Begegnung schaffen. »Ich glaube, dass die Zukunft in gemeinschaftlichen Wohnprojekten liegt, welche bereits bebaute Flächen in Deutschland wiederbeleben, statt noch mehr zu versiegeln«, sagt Anna Gerlach.

Die Zukunft liegt in gemeinschaftlichen Wohnprojekten.

Ehemalige Käte-Agerth-Förderschule Beeskow

Rakäte

Ehemalige Käte-Agerth-Förderschule Beeskow

Kartenansicht Zimmer mit Ausblick: Die ehemalige Käte-Agerth-Förderschule in Beeskow, ein 1975 errichteter DDR-Typenbau »Erfurt TS 66«, ist jetzt das Zuhauzse des gemeinschaftlichen Wohnprojektes »Rakäte«. (Foto: Andreas Batke)

Kinderbadwannde

Kinderbadewanne

Kinderbadwannde

Kinderbadewanne der ehemaligen Kinderkrippe der Burg Beeskow aus den 1950er-Jahren (Foto: Bernd Choritz)

Armlehnstuhl

Armlehnstuhl

Armlehnstuhl

Armlehnstuhl aus der DDR der 1960er-Jahre aus der ehemaligen Käte-Agerth-Schule in Beeskow (Foto: Bernd Choritz)

Abschied vom Sonnengott

Vivien Kuhn und Christopher Eichwald

Vivien Kuhn und Christopher Eichwald

Vivien Kuhn und Christopher Eichwald

Stadt- und Regionalplanerin Vivien Kuhn und Bauamtsleiter Christopher Eichwald versuchen, Pläne für Storkows Stadtzentrum zu entwickeln. (Foto: Andreas Batke)

Abschied vom Sonnengott

Langwieriger Innenstadtumbau in Storkow

In der Landesweiten Planungsgesellschaft Berlin ist Vivien Kuhn als Gebietsbeauftragte verantwortlich für die Stadt Storkow und erarbeitete in den Jahren 2015/16 ein integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK). Dieses war Grundlage für die spätere Aufnahme Storkows in das Städtebauförderprogramm »Lebendige Zentren«. »Wir arbeiten nun mehrere Jahre daran«, sagt Kuhn, »hatten sechs öffentliche Planungswerkstätten mit Akteuren aus der Wirtschaft, Verwaltung, sozialen Einrichtungen, auch mit vielen Einwohnern.« Das »Helios«-Gelände ist im Altstadt-Projekt der größte Brocken. Den Namen trägt es seit 1945, als der Unternehmer Paul Passoth dort eine Likörfabrik gründete. Anfang der 1970er-Jahre wurde daraus der VEB Helios Likörfabrik und Weinkellerei, der 1980 wiederum vom Getränkekombinat Frankfurt (Oder) einverleibt wurde. Das Ende der DDR erlebte die Firma nicht mehr; das Gelände dämmert seit Jahrzehnten vor sich hin. Nun soll es dem »Helios«-Areal, das die Stadt kaufen konnte, endgültig an den Kragen gehen. Wie rigoros, steht noch nicht endgültig fest. Die Denkmalbehörde gibt den Teilerhalt der Außenmauern vor, die Stadtverordneten wünschen sich den Erhalt des Gewölbekellers sowie des Fabrikgebäudes. Doch: Welche Nutzung soll es geben? Vivien Kuhn verweist darauf, dass sich dort sogenannte Frequenzbringer ansiedeln müssen. Die Stadtverwaltung favorisiert als solchen die Bibliothek. Diese würde von der Burg jedoch nur umziehen, wenn es in den bisherigen Räumen eine Nachfolgenutzung gibt. Die Sache mit dem Einzelhandel sieht hingegen nicht nur die Stadtplanerin kritisch. Und auch Gastronomie dürfte im »Helios« nicht die einfachste Aufgabe werden.

Mancher denkt, es tue sich überhaupt nichts.

Storkow

Helios Gelände

Storkow

Kartenansicht Größter Brocken im Altstadt-Projekt: Das »Helios«-Gelände mit seinen ruinösen Bauten hat eine vielhundertjährige Geschichte. (Foto: Andreas Batke)

Spielfahrzeug

Spielfahrzeug

Spielfahrzeug

Spielfahrzeug mit Abrissbirne für Kinder ab 12 Monaten von Fisher-Price aus den 1990er Jahren (Foto: Bernd Choritz)

Betriebstor

Betriebstor

Betriebstor

Betriebstor der ehemaligen Helios Likörfabrik und Weinkellerei nach 1945 (Foto: Bernd Choritz)

Das neue Jerusalem

Treppeln

Ruine Treppeln

Treppeln

Kartenansicht Glaube, Liebe, Hoffnung: Ist das Grafito auf der Abrissruine in Treppeln schon ein Ausblick in die (Kloster)Zukunft des Geländes? (Foto: Andreas Batke)

Einfach und erhaben zugleich

Ehemaliges Forsthaus weicht einem Klosterneubau

Wenn Pater Kilian im katholischen Pfarrhaus am Stiftsplatz in Neuzelle Gäste empfängt, sollen diese sich zu Hause fühlen – so wie sich auch die Mönche des Zisterzienserpriorats zu Hause fühlen sollen in einem Kloster. In Neuzelle ist das eher nicht der Fall. »Neuzelle ist der Ort, an dem uns die Augen aufgegangen sind«, sagt Pater Kilian. »Es ist aber auch der Ort, wo wir sagen, hier, im Pfarrhaus, können wir nicht bleiben. Wir müssen wieder weg.« Auf dem Gelände des ehemaligen Forsthauses Treppeln, das bis 1989 von der Staatssicherheit als Ferienanlage genutzt war, soll darum ein neues Kloster entstehen: mit Kreuzgang, Klosterkirche, Kapelle, Gästehaus. Und zwar aus Backstein. Das hat mit dem Klimawandel und der Hitze zu tun, aber auch mit der Akustik. »Wir singen dreieinhalb Stunden am Tag das Chorgebet, da muss die Akustik stimmen.« Im Moment ist man noch beim Übergang zur Entwurfsplanung. In die aus Mexiko stammende Architektin Tatiana Bilbao hat das Priorat dabei vollstes Vertrauen. Sie muss einen Spagat schaffen: Einfach und schlicht soll das neue Kloster werden, kein barockes Feuerwerk wie in Neuzelle. Aber es soll auch erhaben sein. Pater Kilian erklärt das in seinen Worten: »Ich hab‘ ja schon lange die wilde These, dass die Architektur der Zisterzienser quasi eine Vorwegnahme des Bauhausgedankens war: Nämlich die Kraft der Reduktion zu entdecken.« Aber es gehöre eben auch Gestaltungswille dazu. »Es soll eine Architektur sein, die die Seele erhebt, sodass man mit den Füßen auf dem Boden steht, aber Herz und Seele sich in den Himmel erheben.«

Es soll eine Architektur sein, die die Seele erhebt.

Treppeln

Forsthaus Treppeln

Treppeln

Kartenansicht Rückbau der Schießanlage: Das baufällige Forsthaus in Treppeln wurde bis 1989 von der Staatssicherheit als Ferienanlage genutzt – jetzt soll hier ein Kloster entstehen. (Foto: Andreas Batke)

Fensterfragment

Bleiglasfenster

Fensterfragment

Bleiglasfenster aus den 1970er Jahren, geborgen 2021 beim Forsthaus Treppeln (Foto: Bernd Choritz)

Putto

Putto

Putto

Putto aus Holz, Alter vermutlich 18. Jahrhundert (Foto: Bernd Choritz)

Alles auf einer Ebene

Anne Langpap und Daniel Höritzsch

Anne Langap und Daniel Höritzsch

Anne Langpap und Daniel Höritzsch

Anne Langpap und ihr Lebenspartner Daniel Höritzsch genießen die Ruhe und den Platz auf ihrem Grundstück in Merz. (Foto: Andreas Batke)

Alles auf einer Ebene

Ein Bungalow verspricht Barrierefreiheit

Anne Langpap und Daniel Höritzsch sind beide auf dem Land aufgewachsen. »Wenn man das kennt«, sagen sie, »wünscht man sich das auch für die eigenen Kinder.« In Merz, Anne Langpaps Heimatdorf, haben sie darum vor Kurzem gebaut – und bei der Wahl des passenden Haustyps nicht lange überlegen müssen: Ein Bungalow sollte es sein – ein flaches Haus mit nur einer Wohnebene. »Weil es altersgerecht ist«, gibt sich Daniel Höritzsch in punkto Barrierefreiheit weitsichtig. Das Paar liegt damit voll im Trend: Die Deutschen lieben moderne Baustile, und auch in Oder-Spree entschieden sich in den vergangenen Jahren etwa die Hälfte der Eigenheimbauer für einen Bungalow. Neben Vorteilen wie der durch die Eingeschossigkeit gegebenen Barrierefreiheit und großer Freizügigkeit bei der Raumgestaltung hat der Baustil freilich auch einige Nachteile: So benötigt man für dieselbe Wohnfläche mehr Grundstück. Auch aus Sicht des Architekten spreche wenig für den Bungalow, sagt Bauingenieur Armin Gebauer von der »ebus GmbH – energiebewusstes Bauen und Sanieren« in Briesen/Mark. »Ein Architekt orientiert sich am ›Goldenen Schnitt‹, und beim Bungalow werden die Proportionen nicht eingehalten. Das Dach ist viel zu flach, so entsteht eine Disharmonie. Ein Bungalow entspricht eben nur der Funktion, nicht der Ästhetik.« Für eine wirkliche Fehlentwicklung hält Gebauer das massenhafte Aneinanderreihen des Haustyps. Wer einem Ort ein Gesicht geben will, braucht verschiedene Baukörper, höhere, flachere, verschiedene Dachformen. Natürlich lässt sich so etwas regulieren; da ist die Politik, sind die Gemeinden gefragt.

Wir schätzen die Ruhe
und den Platz.

Merz

Bungalow Bau Merz

Merz

Kartenansicht Altersgerechter Wohnkomfort: Anne Langpap und Daniel Höritzsch haben sich bewusst für einen Bungalow als Bauform entschieden. (Foto: Andreas Batke)

DDR-Baukastenset

Spielbaukasten mit Bauanleitung

DDR-Baukastenset

PEBE DDR Spielbaukasten aus den 1970er Jahren (Foto: Bernd Choritz)

Den Bagger im Rücken

Hanne Decker

Hanne Decker

Hanne Decker

Steine sind ihr Ding: Hanne Decker ist Archäologin in einer Berliner Grabungsfirma. (Foto: Andreas Batke)

Den Bagger im Rücken

Wenn gebaut wird, kommen die Archäologen

Dass Archäologen in privaten Grabungsfirmen arbeiten, ist seit der Wende in Brandenburg üblich. Die Grundlage dafür ist das sogenannte Verursacherprinzip, welches besagt, dass der Veranlasser des Eingriffs die Kosten für die archäologische Untersuchung im Rahmen des Zumutbaren zu tragen hat. Eine der Folgen ist, dass es nur wenige reine Forschungsgrabungen gibt und archäologische Baubegleitungen dominieren. Hanne Decker, Archäologin in einer Berliner Grabungsfirma, gräbt oft baubegleitend aus. So auch in Beeskow. Jüngst hat sie in der Mauerstraße, in der neue Wasserleitungen verlegt wurden, die Erdschichten untersucht. »Arrangieren« ist eines der meist gefallenen Worte im Zusammenhang mit der archäologischen Baubegleitung. »Eine Baustelle steht und fällt mit der Absprache untereinander«, sagt Hanne Decker. Die Archäologen wollen die Bauvorhaben nicht aufhalten. »Eine baubegleitende Maßnahme ist keine Forschungsgrabung. Wissenschaftliche Fragestellungen stehen nicht im Mittelpunkt, sondern die Dokumentation.« Mario Gericke vom Bauamt der Stadt hat als Bauherr den fristgerechten Ablauf und damit die Kosten im Blick. Er hadert ein wenig mit dem System und wünscht sich einen größeren Beitrag von der Denkmalfachbehörde. »Die Verantwortung und Pflicht wird auf den Bauherrn übertragen, jedem wird auferlegt, einen Archäologen zu beauftragen und die Kosten zu übernehmen.« Auf die Menschen einzugehen, für Verständnis zu werben ist also ebenso wichtig wie die eigentliche archäologische Arbeit. Darum geht Hanne Decker auch in Dörfer auf Infoveranstaltungen oder nimmt sich am Rand einer Grabung Zeit für die Fragen der Einwohner.

Als Kind wollte ich Schatzsucherin werden.

Beeskow Mauerstraße

Bauerabeiten Mauerstraße Beeskow

Beeskow Mauerstraße

Kartenansicht Beim Verlegen von Leitungen für Regenwasser, Schmutzwasser und Trinkwasser in der Beeskower Mauerstraße kommen auch die baubegleitenden Archäologen auf den Plan. (Foto: Andreas Batke)

Nivellierstativ

Nivellierstativ

Nivellierstativ

Nivellierstativ von Hanne Decker zur Auf- und Einmessung von Punkten (Foto: Bernd Choritz)

Drucksprühgerät

GLORIA Drucksprüher prima 5 Comfort

Drucksprühgerät

GLORIA Drucksprüher prima 5 Comfort mit Spiralschlauch und Kompressoranschluss (Foto: Bernd Choritz)

Archäologische Funde

Reitersporn, hinterer Unterschenkelknochen eines Pferdes, Hufeisen

Archäologische Funde

Reitersporn und Hufeisen, 13./14.Jahrhundert sowie hinterer Unterschenkelknochen eines Pferdes, Alter unbekannt (Foto: Bernd Choritz)

Einer für alles

Alexander Kurylyszyn

Alexander Kurylyszyn

Alexander Kurylyszyn

Liebt Technik und große Maschinen: Alexander Kurylyszyn neben seinem russischen UAZ, Baujahr 1985 (Foto: Andreas Batke)

Einer für alles

Ein regionaler Bauunternehmer startet durch

Alexander Kurylyszyn ist in Beeskow bekannt wie ein bunter Hund. Viele Menschen in seiner Heimatstadt wundern sich über das Phänomen, wie ein Ein-Mann-Betrieb in nur gut zehn Jahren auf ein Bau-Unternehmen mit 325 Mitarbeitern wachsen konnte. Denn erst 2005 hat sich Kurylyszyn, der studierte Bauingenieur mit ukrainischen Wurzeln väterlicherseits, selbstständig gemacht. »Meinen ersten Lkw habe ich zum Teil mit gepumptem Geld von einem Freund gekauft«, erzählt er. »Jetzt habe ich 80 Lkw.« Und er hat expandiert und eine ganze Firmengruppe mit insgesamt sechs eigenständigen Unternehmen aufgebaut. »Wir bieten inzwischen das komplette Programm an, vom Abriss über Recycling, Fuhrdienstleistungen, Tiefbauarbeiten bis hin zum Hochbau und Gestaltung von Außenanlagen.« Allein durch diese komplexe Firmenkonstruktion könne er bei Ausschreibungen häufig günstiger sein als seine Mitbewerber. Die Geschäfte laufen gut, Probleme mit fehlenden Mitarbeitern, wie sie heute Unternehmen fast ausnahmslos beklagen, hat Kurylyszyn Bau nach eigenen Angaben nicht. Etwa 17 Azubis gehören ständig dazu. Wo er mit seinem Unternehmen in zehn Jahren stehen wird, kann Kurylyszyn sich noch nicht ausmalen. Sich noch weiter zu vergrößern, ist nicht sein Plan, aber wenn es sich ergibt … Immer noch liebt er die Technik, die großen Maschinen. »Die waren schon immer meine Leidenschaft.« Und wenn man ihn fragt, was er denn lieber täte, abreißen oder aufbauen, lacht er und sagt: »Natürlich abreißen. Das macht mehr Spaß, da steht eine Wucht dahinter. Aber ich reiße ab, um Neues aufzubauen.«

Ich reiße ab, um Neues aufzubauen.

Beeskow

Kurylyszyns Recycling Zentrum

Beeskow

Kartenansicht In Kurylyszyns Recyling Zentrum Beeskow ist mittlerweile ein kleines Recycling-Gebirge gewachsen – Blick aus einem Radlader in Richtung Stadt. (Foto: Andreas Batke)

Arbeitskleidung für Bauarbeiter

Berufsbekleidung für Bauarbeiten

Arbeitskleidung für Bauarbeiter

Berufsbekleidung für Bauarbeiten von Kurylyszyn Bau (Foto: Bernd Choritz)

Naturruhe

Christina und Peter Pantas

Christian und Peter Pantas

Christina und Peter Pantas

Christina und Peter Pantas haben viele schöne, aber auch schlechte Erinnerungen an den Milasee. (Foto: Andreas Batke)

Naturruhe

Seltener Rückzug aus der Nutzung

Zwischen Kehrigk und Limsdorf führt die L74 entlang eines Truppenübungsplatzes durch eine Moränenlandschaft. In dieser Abgeschiedenheit finden sich zwei skandinavisch anmutende Waldseen: der kleine und der Große Milasee. 1950 wurde dieses Paradies aus der Waldgemeinschaft gerissen, entstanden dort Baracken für ein Kinderferienlager der Humboldt-Universität Berlin. Später öffneten Christina und Peter Pantas den Lagerbetrieb für Klassenfahrten. Ab 1990 war die Arbeit am Milasee eine andere. Aus dem Kinderferienlager der Humboldt-Uni war das vereinsgeführte »Kindergästehaus am Milasee« geworden. Ständig investierte der Verein »Kinder und Natur« in Küche, Bodenbeläge, Anstriche, Heizung – und in Zeit sowieso. Im April 1997 fanden Pantas‘ alles in Scherben. 200.000 Mark Schaden, verursacht über Nacht durch Jugendliche aus benachbarten Dörfern. Mit finanzieller Unterstützung seitens des Landes, Wochenend-Aufbauaktion mit Sendung im Fernsehen des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg und privaten Spenden gelang zwar ein Wiederaufbau, aber dem Paar sollte bald der Atem ausgehen. Nach den Pantas‘ wechselten sich mehrere Lagerleiter mit neuen Pächtern ab, Naturinteressierte mit Rowdies und Ganoven. Das Lager galt bald als Problemfall, und die Untere Naturschutzbehörde entschied zum Wohle der Seen, das Gelände wieder an die Natur zu geben. Mit der finalen Saison 2002 endete die Nutzungsgeschichte »Ferienobjekt Milasee«. Die Gebäude wurden abgetragen und die Zuwegung zugeschoben. 2003 wurde den beiden Milaseen von der Landesregierung eine unbefristete Kur von menschlicher Nutzung verordnet. Damit sind sie im Landkreis Oder-Spree ein seltenes Beispiel für mehr Naturruhe.

Ich träume noch regelmäßig vom zerstörten Gästehaus.

Milasee

Milasee

Milasee

Kartenansicht Darf jetzt einfach nur sein: der Große Milasee (Foto: Andreas Batke)

Postkarte vom Milasee

Ansichtspostkarte des Ferienlagers der Humboldt-Universität zu Berlin am Milasee, Kehrigk bei Beeskow

Postkarte vom Milasee

Ansichtspostkarte von 1973, geschrieben von Gabi [Schultz] an Wilhelm Schultz aus dem Ferienlager am Milasee (Foto: Bernd Choritz)

Schild »Landschaftsschutzgebiet«

Schild «Landschaftsschutzgebiet»

Schild »Landschaftsschutzgebiet«

Schild aus der DDR der 1970er-Jahren für ein »Landschaftsschutzgebiet« (Foto: Bernd Choritz)

Lehmhäusler

Ron Radam

Stuckateurmeister Ron Radam

Ron Radam

Ron Radam baut besonders gern mit Lehm. (Foto: Andreas Batke)

Lehmhäusler

Lehmbau in der Region

Lehmmatsch macht glücklich! Zumindest Kinder. Der Spaß hört jedoch auf, wenn einem buchstäblich die Lehm-Decke auf den Kopf fällt. Da glaubt man leicht, Lehm tauge für rein gar nichts. Das Verhältnis zum Lehm ist zwiespältig. Dabei schließen Lehm und Moderne einander nicht aus. Lehm passt sich an. Auch die handgemachte Lehmziegelform gibt es noch. Dank Internet-Handel wissen wir davon: Eine dänische Firma vertreibt hierzulande hölzerne Formkästen aus Indien als Deko. Es bedarf solcher Umwege, um Lehm als Naturprodukt wiederzuentdecken. »Erweckungserlebnisse« sind jedoch leider selten. Helene und Ron Radam gehören da bereits zu den Überzeugungstätern. Auf ihrem 2014 in Beeskow erworbenen Anwesen bauen sie mit Lehm. Stuckateurmeister Radam erkannte das Potenzial des fast 250 Jahre alten Stadthauses sofort. Wohngesund, umweltschonend, nachhaltig – Familie Radam wollte von Anfang an gut bauen. Dabei sorgt vor allem Lehm für ein gutes Raumklima. Er nimmt Wärme und Feuchte auf, bindet Schadstoffe und schluckt selbst lästige Küchengerüche. Im Haus verbirgt sich unter dem Putz eine Wandflächenheizung, die Strahlungswärme erzeugt. Ron Radam zeigt gern anderen, wie man u. a. Lehmbau und Heizung optimal verbinden kann. Er hat sich auf ökologische Bauberatung und Vertrieb spezialisiert. »Wohnen Sie noch, oder leben Sie schon?« – ganz ohne Ikea haben Helene und Ron Radam diesen Anspruch eingelöst. Der Naturbaustoff Lehm gibt ihnen ein Gefühl der Bodenhaftung. Wie gesagt – Lehm macht glücklich!

Lehm gibt uns die Bodenhaftung, die uns anderswo verloren gegangen ist.

Lehmziegelform

Lehmziegelform

Lehmziegelform

Lehmziegelform, o. J. (Foto: Armin Herrmann)

Betonziegel

Gasbetonstein

Betonziegel

Gasbetonstein (PP2 – 0,5 Porenbeton Planstein 75mm), 2020 (Foto: Armin Herrmann)

Falkenberg

Haus im Premsdorfer Weg in Falkenberg

Falkenberg

Kartenansicht Haus im Premsdorfer Weg in Falkenberg (Foto: Andreas Batke)

Tauche

Lehmbau in Tauche

Tauche

Kartenansicht Lehmbau in Tauche (Foto: Andreas Batke)

A12

Jörn Müller

Jörn Müller, Leiter der Feuerwehr Fürstenwalde

Jörn Müller

Jörn Müller, Leiter der Feuerwehr Fürstenwalde (Foto: Andreas Batke)

A12

Die Fürstenwalder Feuerwehr auf der »Autobahn der Freiheit«

Regelmäßig rückt die Feuerwehr zu »technischen Hilfeleistungen« aus, wenn Mensch und Fahrzeug insbesondere durch Auffahrunfälle zu Schaden kommen. Ist die A12 betroffen, gehen die Notrufe zuerst bei der Feuerwehr Fürstenwalde ein. Sie ist für den Abschnitt zwischen den Abfahrten Storkow und Briesen zuständig. Leiter Jörn Müller fordern diese wenigen Kilometer beständig heraus. Wenn seine Löschzüge mit Rettungsplattformen und Rettungsspreizern im Gepäck ausrücken, fragt er sich stets, ob es zu Schnellstraßen wie dieser keine Alternative gäbe. Denn die »Autobahn der Freiheit« gilt als Todespiste – weniger wegen ihres Verkehrsaufkommens als vielmehr angesichts der Übermacht an LKW, die unter Zeitdruck unterwegs sind, dabei lange Rückstaus verursachen oder durch waghalsige Überholmanöver auffallen. Zudem muss der Verkehr oft durch Baustellen geführt werden; das Risiko für Auffahrunfälle steigt dann trotz durchdachter Geschwindigkeitsbegrenzungen. Da heißt es an einem Strang zu ziehen und gemeinsam mit der zuständigen Autobahnmeisterei, der Autobahn-Polizei und dem Hubschrauber-Rettungsdienst eine Lösung zu finden. Wenn auf deutschen Autobahnen das Verkehrsaufkommen unbeherrschbar wird, darf die Feuerwehr nur die Folgen, nicht die Ursachen bekämpfen. Für eine Verkehrspolitik, die allein auf die Straße setzt, wird mittlerweile ein zu hoher Preis bezahlt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) übertreibt nicht, wenn er vom »Wahnsinn Güterverkehr« spricht.

Es heißt, an einem Strang zu ziehen.

Feuerlöscheimer

Feuerlöscheimer vermutlich aus dem 18. Jahrhundert

Feuerlöscheimer

Feuerlöscheimer, vermutlich 18. Jahrhundert (Foto: Armin Herrmann)

Rettungsspreizer

Hydraulischer Rettungsspreizer mit Motorpumpe

Rettungsspreizer

Hydraulischer Rettungsspreizer mit Motorpumpe, 2019 von der Feuerwehr Fürstenwalde ausgemustert (Foto: Armin Herrmann)

A12

Die Reichsautobahn-Tankstelle Fürstenwalde von Friedrich Tamms, eröffnet 1937

A12

Kartenansicht Die Reichsautobahn-Tankstelle Fürstenwalde von Friedrich Tamms, eröffnet 1937, ist seit 1996 denkmalgeschützt. (Foto: Andreas Batke)