Alles auf einer Ebene

Anne Langpap und Daniel Höritzsch

Anne Langap und Daniel Höritzsch

Anne Langpap und Daniel Höritzsch

Anne Langpap und ihr Lebenspartner Daniel Höritzsch genießen die Ruhe und den Platz auf ihrem Grundstück in Merz. (Foto: Andreas Batke)

Alles auf einer Ebene

Ein Bungalow verspricht Barrierefreiheit

Anne Langpap und Daniel Höritzsch sind beide auf dem Land aufgewachsen. »Wenn man das kennt«, sagen sie, »wünscht man sich das auch für die eigenen Kinder.« In Merz, Anne Langpaps Heimatdorf, haben sie darum vor Kurzem gebaut – und bei der Wahl des passenden Haustyps nicht lange überlegen müssen: Ein Bungalow sollte es sein – ein flaches Haus mit nur einer Wohnebene. »Weil es altersgerecht ist«, gibt sich Daniel Höritzsch in punkto Barrierefreiheit weitsichtig. Das Paar liegt damit voll im Trend: Die Deutschen lieben moderne Baustile, und auch in Oder-Spree entschieden sich in den vergangenen Jahren etwa die Hälfte der Eigenheimbauer für einen Bungalow. Neben Vorteilen wie der durch die Eingeschossigkeit gegebenen Barrierefreiheit und großer Freizügigkeit bei der Raumgestaltung hat der Baustil freilich auch einige Nachteile: So benötigt man für dieselbe Wohnfläche mehr Grundstück. Auch aus Sicht des Architekten spreche wenig für den Bungalow, sagt Bauingenieur Armin Gebauer von der »ebus GmbH – energiebewusstes Bauen und Sanieren« in Briesen/Mark. »Ein Architekt orientiert sich am ›Goldenen Schnitt‹, und beim Bungalow werden die Proportionen nicht eingehalten. Das Dach ist viel zu flach, so entsteht eine Disharmonie. Ein Bungalow entspricht eben nur der Funktion, nicht der Ästhetik.« Für eine wirkliche Fehlentwicklung hält Gebauer das massenhafte Aneinanderreihen des Haustyps. Wer einem Ort ein Gesicht geben will, braucht verschiedene Baukörper, höhere, flachere, verschiedene Dachformen. Natürlich lässt sich so etwas regulieren; da ist die Politik, sind die Gemeinden gefragt.

Wir schätzen die Ruhe
und den Platz.

Merz

Bungalow Bau Merz

Merz

Kartenansicht Altersgerechter Wohnkomfort: Anne Langpap und Daniel Höritzsch haben sich bewusst für einen Bungalow als Bauform entschieden. (Foto: Andreas Batke)

DDR-Baukastenset

Spielbaukasten mit Bauanleitung

DDR-Baukastenset

PEBE DDR Spielbaukasten aus den 1970er Jahren (Foto: Bernd Choritz)

Den Bagger im Rücken

Hanne Decker

Hanne Decker

Hanne Decker

Steine sind ihr Ding: Hanne Decker ist Archäologin in einer Berliner Grabungsfirma. (Foto: Andreas Batke)

Den Bagger im Rücken

Wenn gebaut wird, kommen die Archäologen

Dass Archäologen in privaten Grabungsfirmen arbeiten, ist seit der Wende in Brandenburg üblich. Die Grundlage dafür ist das sogenannte Verursacherprinzip, welches besagt, dass der Veranlasser des Eingriffs die Kosten für die archäologische Untersuchung im Rahmen des Zumutbaren zu tragen hat. Eine der Folgen ist, dass es nur wenige reine Forschungsgrabungen gibt und archäologische Baubegleitungen dominieren. Hanne Decker, Archäologin in einer Berliner Grabungsfirma, gräbt oft baubegleitend aus. So auch in Beeskow. Jüngst hat sie in der Mauerstraße, in der neue Wasserleitungen verlegt wurden, die Erdschichten untersucht. »Arrangieren« ist eines der meist gefallenen Worte im Zusammenhang mit der archäologischen Baubegleitung. »Eine Baustelle steht und fällt mit der Absprache untereinander«, sagt Hanne Decker. Die Archäologen wollen die Bauvorhaben nicht aufhalten. »Eine baubegleitende Maßnahme ist keine Forschungsgrabung. Wissenschaftliche Fragestellungen stehen nicht im Mittelpunkt, sondern die Dokumentation.« Mario Gericke vom Bauamt der Stadt hat als Bauherr den fristgerechten Ablauf und damit die Kosten im Blick. Er hadert ein wenig mit dem System und wünscht sich einen größeren Beitrag von der Denkmalfachbehörde. »Die Verantwortung und Pflicht wird auf den Bauherrn übertragen, jedem wird auferlegt, einen Archäologen zu beauftragen und die Kosten zu übernehmen.« Auf die Menschen einzugehen, für Verständnis zu werben ist also ebenso wichtig wie die eigentliche archäologische Arbeit. Darum geht Hanne Decker auch in Dörfer auf Infoveranstaltungen oder nimmt sich am Rand einer Grabung Zeit für die Fragen der Einwohner.

Als Kind wollte ich Schatzsucherin werden.

Beeskow Mauerstraße

Bauerabeiten Mauerstraße Beeskow

Beeskow Mauerstraße

Kartenansicht Beim Verlegen von Leitungen für Regenwasser, Schmutzwasser und Trinkwasser in der Beeskower Mauerstraße kommen auch die baubegleitenden Archäologen auf den Plan. (Foto: Andreas Batke)

Nivellierstativ

Nivellierstativ

Nivellierstativ

Nivellierstativ von Hanne Decker zur Auf- und Einmessung von Punkten (Foto: Bernd Choritz)

Drucksprühgerät

GLORIA Drucksprüher prima 5 Comfort

Drucksprühgerät

GLORIA Drucksprüher prima 5 Comfort mit Spiralschlauch und Kompressoranschluss (Foto: Bernd Choritz)

Archäologische Funde

Reitersporn, hinterer Unterschenkelknochen eines Pferdes, Hufeisen

Archäologische Funde

Reitersporn und Hufeisen, 13./14.Jahrhundert sowie hinterer Unterschenkelknochen eines Pferdes, Alter unbekannt (Foto: Bernd Choritz)

Einer für alles

Alexander Kurylyszyn

Alexander Kurylyszyn

Alexander Kurylyszyn

Liebt Technik und große Maschinen: Alexander Kurylyszyn neben seinem russischen UAZ, Baujahr 1985 (Foto: Andreas Batke)

Einer für alles

Ein regionaler Bauunternehmer startet durch

Alexander Kurylyszyn ist in Beeskow bekannt wie ein bunter Hund. Viele Menschen in seiner Heimatstadt wundern sich über das Phänomen, wie ein Ein-Mann-Betrieb in nur gut zehn Jahren auf ein Bau-Unternehmen mit 325 Mitarbeitern wachsen konnte. Denn erst 2005 hat sich Kurylyszyn, der studierte Bauingenieur mit ukrainischen Wurzeln väterlicherseits, selbstständig gemacht. »Meinen ersten Lkw habe ich zum Teil mit gepumptem Geld von einem Freund gekauft«, erzählt er. »Jetzt habe ich 80 Lkw.« Und er hat expandiert und eine ganze Firmengruppe mit insgesamt sechs eigenständigen Unternehmen aufgebaut. »Wir bieten inzwischen das komplette Programm an, vom Abriss über Recycling, Fuhrdienstleistungen, Tiefbauarbeiten bis hin zum Hochbau und Gestaltung von Außenanlagen.« Allein durch diese komplexe Firmenkonstruktion könne er bei Ausschreibungen häufig günstiger sein als seine Mitbewerber. Die Geschäfte laufen gut, Probleme mit fehlenden Mitarbeitern, wie sie heute Unternehmen fast ausnahmslos beklagen, hat Kurylyszyn Bau nach eigenen Angaben nicht. Etwa 17 Azubis gehören ständig dazu. Wo er mit seinem Unternehmen in zehn Jahren stehen wird, kann Kurylyszyn sich noch nicht ausmalen. Sich noch weiter zu vergrößern, ist nicht sein Plan, aber wenn es sich ergibt … Immer noch liebt er die Technik, die großen Maschinen. »Die waren schon immer meine Leidenschaft.« Und wenn man ihn fragt, was er denn lieber täte, abreißen oder aufbauen, lacht er und sagt: »Natürlich abreißen. Das macht mehr Spaß, da steht eine Wucht dahinter. Aber ich reiße ab, um Neues aufzubauen.«

Ich reiße ab, um Neues aufzubauen.

Beeskow

Kurylyszyns Recycling Zentrum

Beeskow

Kartenansicht In Kurylyszyns Recyling Zentrum Beeskow ist mittlerweile ein kleines Recycling-Gebirge gewachsen – Blick aus einem Radlader in Richtung Stadt. (Foto: Andreas Batke)

Arbeitskleidung für Bauarbeiter

Berufsbekleidung für Bauarbeiten

Arbeitskleidung für Bauarbeiter

Berufsbekleidung für Bauarbeiten von Kurylyszyn Bau (Foto: Bernd Choritz)

Naturruhe

Christina und Peter Pantas

Christian und Peter Pantas

Christina und Peter Pantas

Christina und Peter Pantas haben viele schöne, aber auch schlechte Erinnerungen an den Milasee. (Foto: Andreas Batke)

Naturruhe

Seltener Rückzug aus der Nutzung

Zwischen Kehrigk und Limsdorf führt die L74 entlang eines Truppenübungsplatzes durch eine Moränenlandschaft. In dieser Abgeschiedenheit finden sich zwei skandinavisch anmutende Waldseen: der kleine und der Große Milasee. 1950 wurde dieses Paradies aus der Waldgemeinschaft gerissen, entstanden dort Baracken für ein Kinderferienlager der Humboldt-Universität Berlin. Später öffneten Christina und Peter Pantas den Lagerbetrieb für Klassenfahrten. Ab 1990 war die Arbeit am Milasee eine andere. Aus dem Kinderferienlager der Humboldt-Uni war das vereinsgeführte »Kindergästehaus am Milasee« geworden. Ständig investierte der Verein »Kinder und Natur« in Küche, Bodenbeläge, Anstriche, Heizung – und in Zeit sowieso. Im April 1997 fanden Pantas‘ alles in Scherben. 200.000 Mark Schaden, verursacht über Nacht durch Jugendliche aus benachbarten Dörfern. Mit finanzieller Unterstützung seitens des Landes, Wochenend-Aufbauaktion mit Sendung im Fernsehen des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg und privaten Spenden gelang zwar ein Wiederaufbau, aber dem Paar sollte bald der Atem ausgehen. Nach den Pantas‘ wechselten sich mehrere Lagerleiter mit neuen Pächtern ab, Naturinteressierte mit Rowdies und Ganoven. Das Lager galt bald als Problemfall, und die Untere Naturschutzbehörde entschied zum Wohle der Seen, das Gelände wieder an die Natur zu geben. Mit der finalen Saison 2002 endete die Nutzungsgeschichte »Ferienobjekt Milasee«. Die Gebäude wurden abgetragen und die Zuwegung zugeschoben. 2003 wurde den beiden Milaseen von der Landesregierung eine unbefristete Kur von menschlicher Nutzung verordnet. Damit sind sie im Landkreis Oder-Spree ein seltenes Beispiel für mehr Naturruhe.

Ich träume noch regelmäßig vom zerstörten Gästehaus.

Milasee

Milasee

Milasee

Kartenansicht Darf jetzt einfach nur sein: der Große Milasee (Foto: Andreas Batke)

Postkarte vom Milasee

Ansichtspostkarte des Ferienlagers der Humboldt-Universität zu Berlin am Milasee, Kehrigk bei Beeskow

Postkarte vom Milasee

Ansichtspostkarte von 1973, geschrieben von Gabi [Schultz] an Wilhelm Schultz aus dem Ferienlager am Milasee (Foto: Bernd Choritz)

Schild »Landschaftsschutzgebiet«

Schild «Landschaftsschutzgebiet»

Schild »Landschaftsschutzgebiet«

Schild aus der DDR der 1970er-Jahren für ein »Landschaftsschutzgebiet« (Foto: Bernd Choritz)

Lehmhäusler

Ron Radam

Stuckateurmeister Ron Radam

Ron Radam

Ron Radam baut besonders gern mit Lehm. (Foto: Andreas Batke)

Lehmhäusler

Lehmbau in der Region

Lehmmatsch macht glücklich! Zumindest Kinder. Der Spaß hört jedoch auf, wenn einem buchstäblich die Lehm-Decke auf den Kopf fällt. Da glaubt man leicht, Lehm tauge für rein gar nichts. Das Verhältnis zum Lehm ist zwiespältig. Dabei schließen Lehm und Moderne einander nicht aus. Lehm passt sich an. Auch die handgemachte Lehmziegelform gibt es noch. Dank Internet-Handel wissen wir davon: Eine dänische Firma vertreibt hierzulande hölzerne Formkästen aus Indien als Deko. Es bedarf solcher Umwege, um Lehm als Naturprodukt wiederzuentdecken. »Erweckungserlebnisse« sind jedoch leider selten. Helene und Ron Radam gehören da bereits zu den Überzeugungstätern. Auf ihrem 2014 in Beeskow erworbenen Anwesen bauen sie mit Lehm. Stuckateurmeister Radam erkannte das Potenzial des fast 250 Jahre alten Stadthauses sofort. Wohngesund, umweltschonend, nachhaltig – Familie Radam wollte von Anfang an gut bauen. Dabei sorgt vor allem Lehm für ein gutes Raumklima. Er nimmt Wärme und Feuchte auf, bindet Schadstoffe und schluckt selbst lästige Küchengerüche. Im Haus verbirgt sich unter dem Putz eine Wandflächenheizung, die Strahlungswärme erzeugt. Ron Radam zeigt gern anderen, wie man u. a. Lehmbau und Heizung optimal verbinden kann. Er hat sich auf ökologische Bauberatung und Vertrieb spezialisiert. »Wohnen Sie noch, oder leben Sie schon?« – ganz ohne Ikea haben Helene und Ron Radam diesen Anspruch eingelöst. Der Naturbaustoff Lehm gibt ihnen ein Gefühl der Bodenhaftung. Wie gesagt – Lehm macht glücklich!

Lehm gibt uns die Bodenhaftung, die uns anderswo verloren gegangen ist.

Lehmziegelform

Lehmziegelform

Lehmziegelform

Lehmziegelform, o. J. (Foto: Armin Herrmann)

Betonziegel

Gasbetonstein

Betonziegel

Gasbetonstein (PP2 – 0,5 Porenbeton Planstein 75mm), 2020 (Foto: Armin Herrmann)

Falkenberg

Haus im Premsdorfer Weg in Falkenberg

Falkenberg

Kartenansicht Haus im Premsdorfer Weg in Falkenberg (Foto: Andreas Batke)

Tauche

Lehmbau in Tauche

Tauche

Kartenansicht Lehmbau in Tauche (Foto: Andreas Batke)

A12

Jörn Müller

Jörn Müller, Leiter der Feuerwehr Fürstenwalde

Jörn Müller

Jörn Müller, Leiter der Feuerwehr Fürstenwalde (Foto: Andreas Batke)

A12

Die Fürstenwalder Feuerwehr auf der »Autobahn der Freiheit«

Regelmäßig rückt die Feuerwehr zu »technischen Hilfeleistungen« aus, wenn Mensch und Fahrzeug insbesondere durch Auffahrunfälle zu Schaden kommen. Ist die A12 betroffen, gehen die Notrufe zuerst bei der Feuerwehr Fürstenwalde ein. Sie ist für den Abschnitt zwischen den Abfahrten Storkow und Briesen zuständig. Leiter Jörn Müller fordern diese wenigen Kilometer beständig heraus. Wenn seine Löschzüge mit Rettungsplattformen und Rettungsspreizern im Gepäck ausrücken, fragt er sich stets, ob es zu Schnellstraßen wie dieser keine Alternative gäbe. Denn die »Autobahn der Freiheit« gilt als Todespiste – weniger wegen ihres Verkehrsaufkommens als vielmehr angesichts der Übermacht an LKW, die unter Zeitdruck unterwegs sind, dabei lange Rückstaus verursachen oder durch waghalsige Überholmanöver auffallen. Zudem muss der Verkehr oft durch Baustellen geführt werden; das Risiko für Auffahrunfälle steigt dann trotz durchdachter Geschwindigkeitsbegrenzungen. Da heißt es an einem Strang zu ziehen und gemeinsam mit der zuständigen Autobahnmeisterei, der Autobahn-Polizei und dem Hubschrauber-Rettungsdienst eine Lösung zu finden. Wenn auf deutschen Autobahnen das Verkehrsaufkommen unbeherrschbar wird, darf die Feuerwehr nur die Folgen, nicht die Ursachen bekämpfen. Für eine Verkehrspolitik, die allein auf die Straße setzt, wird mittlerweile ein zu hoher Preis bezahlt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) übertreibt nicht, wenn er vom »Wahnsinn Güterverkehr« spricht.

Es heißt, an einem Strang zu ziehen.

Feuerlöscheimer

Feuerlöscheimer vermutlich aus dem 18. Jahrhundert

Feuerlöscheimer

Feuerlöscheimer, vermutlich 18. Jahrhundert (Foto: Armin Herrmann)

Rettungsspreizer

Hydraulischer Rettungsspreizer mit Motorpumpe

Rettungsspreizer

Hydraulischer Rettungsspreizer mit Motorpumpe, 2019 von der Feuerwehr Fürstenwalde ausgemustert (Foto: Armin Herrmann)

A12

Die Reichsautobahn-Tankstelle Fürstenwalde von Friedrich Tamms, eröffnet 1937

A12

Kartenansicht Die Reichsautobahn-Tankstelle Fürstenwalde von Friedrich Tamms, eröffnet 1937, ist seit 1996 denkmalgeschützt. (Foto: Andreas Batke)

Gasthauskultur

Margrit Simke-Schulz

Hier steht ein alternativer Text

Margrit Simke-Schulz

Margrit Simke-Schulz, Wirtin in Herzberg (Foto: Andreas Batke)

Gasthauskultur

Landgasthof Simke in Herzberg

Gasthöfe sind Schauplatz von Wirtshausgeschichten. Manchmal ist es aber auch ganz still im Gasthaus. Und auch das erzählt eine Menge. Dies ruhige Bild beschreibt das Mädchen von damals, die heute Wirtin ist, als »typische Dorfgaststätte« in einem brandenburgischen Bauerndorf. Nur an manchen Abenden tagt der Herzberger Männerchor, der sich 1893 gründet. Männer im Frack nehmen ein Gruppenfoto auf, das heute in Simkes Gaststube hängt. Auch ein Posaunenchor, ein Landwehrverein, ein »Rauchkollegium« sind zu sehen. 1562 ist Promaß Noagk als erster »Krüger« vermerkt. Seit 1770 führt die Familie Lichterfeld die Schankwirtschaft. 1811 übernehmen Gottfried und Alma Simke. 1881 fällt das Gasthaus einem Großfeuer zum Opfer. 1946 bekommen Siegfried und Anneliese Simke das Lokal. 1958 wird Simke Konsumgaststätte. Eine völlig neue Form der dörflichen Gaststättenkultur entsteht, als 1961 die LPG kommt. Sie bringt den Feierabend. Es gibt feste Arbeitszeiten – und damit plötzlich auch Freizeit. Punkt 17 Uhr strömen die LPG-Bauern in den Schankraum. Die Losung »Kultur aufs Land« macht den Gastraum zum Kino. Und ab den späten 1960er-Jahren werden der Jugend Tanzveranstaltungen geboten. 1990 muss Margrit Simke fast aufgeben. Sie kratzt alle Ersparnisse zusammen, und statt den Betrieb herunterzufahren, baut sie aus. Nicht nur das macht das Gasthaus Simke besonders. In unserer Gegend, in der es Gasthöfe schwer haben, weil – wie Margrit Schulz meint – die Leute das Geld zusammenhalten und sich verkriechen, ist Simke eine unersetzliche Institution.

Nach allem, was ich als Wirtin beobachte, haben viele Leute die Nachwendejahre nicht verkraftet.

Gestielte Biertulpe

Gestielte Biertulpe mit dem Logo der DDR-Konsumgenossenschaft

Gestielte Biertulpe

Gestielte Biertulpe mit dem Logo der DDR-Konsumgenossenschaft, 1970er-Jahre (Foto: Armin Herrmann)

Vereinsfahne

Fahne des 1922 gegründeten Beeskower Arbeiter-Gesang-Vereins

Vereinsfahne

Fahne des 1922 gegründeten Beeskower Arbeiter-Gesang-Vereins (Foto: Armin Herrmann)

Bügelbierflaschen

Zwei Bügelbierflaschen mit Porzellanverschluss

Bügelbierflaschen

Zwei Bügelbierflaschen mit Porzellanverschluss (Foto: Armin Herrmann)

Gasthaus Simke

Hier steht ein alternativer Text

Gasthaus Simke

Kartenansicht Gastraum im Landgasthof Simke (Foto: Andreas Batke)

Am Mittagstisch

Gerhard Kusay

Gerhard Kusay, langjähriger Chef der Kantine.

Gerhard Kusay

Gerhard Kusay, langjähriger Chef der Kantine (Foto: Andreas Batke)

Am Mittagstisch

Die Kantine des Spanplattenwerks Beeskow

Diese Kantine ist ein besonderer Ort. Er heißt eigentlich »Märkischer Hof«, für Ortsfremde ist er kaum zu finden. 99 Prozent aller Menschen, die ihn bevölkern, kennen diesen Ort jedoch schon sehr lange. Sie wissen, wo er liegt und was er bereithält. Gegen 12 Uhr mittags brummt das Ganze wie ein Bienenkorb. Das Erfolgsrezept klingt einfach. Eben so, als ob es in Hausmannskost zu günstigen Preisen bestünde. Aber es ist viel mehr. Früher gehörte die Kantine zum VEB Spanplattenwerk Beeskow. Stellt man sich das Werk wie einen Menschen mit vielen Armen vor, war die Werkskantine der Arm mit dem Kochlöffel. Es gab drei Essen: eins für 90 Pfennig, eins für 1,30 Mark und eine Suppe. Zum Nachtisch gab es Kompott, Pudding oder Rote Grütze – die war damals mit Grieß. Gerhard Kusay führt die Kantine. Er tut das bereits seit 1975, und er tut es mit Liebe zur Sache. »Es muss gut sein«, sagt er. Und es muss schmecken. Ein Wandbild an der Stirnseite des Speisesaals, gemalt von Gyula Szepes, zeigt das Landleben um Beeskow. Im Jahr 1986, als es aufgehängt wurde, erzählt Gerhard Kusay, hätten es die meisten Leute abgelehnt, doch heute mögen viele das Bild. Weil es noch da ist. Weil es zu ihnen gehört. Das Besondere an der Kantine ist, dass dieser Ort, nachdem so vieles aus der DDR verschwunden ist, noch besteht. Auf eine fröhliche, menschliche Art. Das farbenfroh anzügliche Bild, das gehaltvolle Essen. Die nette Belegschaft, die zum Teil schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Der freundliche Ton, die Zwanglosigkeit.

Es muss gut sein, und es muss schmecken!

Kugeltopf

Kugeltopf aus dem Mittelalter

Kugeltopf

Kugeltopf, sogenannte harte grau- oder blaugraue Ware, 13./14. Jahrhundert (Foto: Armin Herrmann)

Stapelbare Portionsteller

Stapelbare Portionsteller aus DDR-Produktion

Stapelbare Portionsteller

Stapelbare Portionsteller, DDR-Produktion, 1970er-Jahre (Foto: Armin Herrmann)

Name

Kantine des Spanplattenwerkes

Name

Kartenansicht Kantine des Spanplattenwerkes (Foto: Andreas Batke)